Hier jetzt endlich mal mein Review:

Eigentlich ist es erschreckend, für was für eine Aufregung ein Film über 2 schwule Cowboys selbst in der heutigen Zeit noch in den konservativeren Teilen Amerikas sorgen kann. Der Film wird boykottiert, in öffentlichen Radiosendungen denunziert - und dann sogar noch von unser aller Held George W. Bush als "Schund" bezeichnet (und das, ohne dass er ihn sich überhaupt angesehen hätte). So sehr die konservativen Schichten auch rebelliert haben mögen - insbesondere die Kritiker waren von "Brokeback Mountain" begeistert, weshalb er auch als großer Favorit für die 78. Oscar-Verleihung galt (was die Academy nicht daran hinderte, den Award für den besten Film an "L.A. Crash" zu verschenken). Und nach all diesen Lobpreisungen scheint sich langsam aber sicher auch das amerikanische Volk endlich für "Brokeback Mountain" zu interessieren und ihm den Erfolg zuteil werden zu lassen, den er sich ohne jeden Zweifel verdient hat.

Mittlerweile habe ich "Brokeback Mountain" schon mehrmals gesehen - im Kino, im Flugzeug etc. - und das binnen weniger Wochen. Wo andere Filme langweilig werden würden, hat "Brokeback Mountain" selbst bei mehrmaliger Sichtung nichts von seiner Faszination verloren - ganz im Gegenteil. War ich anfangs noch zurückhaltend, ihm die Höchstnote zu verleihen, bin ich nach mehrmaliger Sichtung endgültig überzeugt, dass es sich bei diesem Film um ein Meisterwerk handelt - hat mir doch "Brokeback Mountain" bei jedem erneuten Sehen noch eine Spur besser gefallen.

Was ich an dem Film besonders bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass die zu so heftigen Diskussionen führende Schwulenthematik nicht mal wirklich so sehr thematisiert wird. Im Herzen des Films steht nicht das schwul sein, und auch nicht, eine bestimmte Message bezüglich Homosexualität rüberzubringen, sondern einfach die Geschichte einer Liebe zweier Menschen, die aufgrund der gesellschaftlichen Zwänge zum Scheitern verurteilt ist. Wenn man es ganz einfach ausdrücken will könnte man also sagen, Brokeback Mountain ist "Romeo und Romeo".

Doch natürlich macht die Tatsache, dass die Homosexualität der Hauptfiguren nicht im Mittelpunkt steht, die Story bzw. den Film an sich nicht weniger mutig. Vor allem beeindruckt die Tatsache, dass man sich für diese Liebesgeschichte zweier Männer an das Sinnbild für harte Männer, nämlich die Cowboys, herangewagt hat - und die Verlegung der Handlung in die Südstaaten verringert die Brisanz auch nicht gerade. Da kann man wirklich nur sagen: (Cowboy-)Hut ab!

Eine Liebesgeschichte über zwei schwule Männer zu erzählen ohne die Homosexualität richtig zu thematisieren, sondern ihre Liebe als etwas alltägliches, ja sogar natürliches darzustellen, gehört zu den größten Stärken des Films. Die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller sind eine weitere. Während man von Jake Gyllenhaal nach sehr vielschichtigen und unterschiedlichen, aber immer überzeugenden Darstellerleistungen ("Donnie Darko", "Jarhead") ohnehin nichts anderes mehr gewohnt ist, überrascht vor allem Heath Ledger, der als schüchtern-verschlossener Ennis sogar noch eine bessere Leistung abliefert als sein Gegenüber.

Ebenfalls nicht zu verachten sind die Leistungen der Nebendarsteller, die sich vor allem aus ehemaligen Teenie-Queens zusammensetzen. Mit ihrer Darstellung als naiv-liebenswerte Alma liefert Michelle Williams eine der beeindruckendsten Leistungen des gesamten Films ab (dass sie den Oscar für ihre Rolle nicht bekommen hat war angesichts der Konkurrenz einerseits absehbar, und andererseits eine Schande) - einfach nur großartig. Doch auch ihren Kolleginnen Anne Hathaway ("Plötzlich Prinzessin") und Linda Cardellini ("Freaks & Geeks", "E.R.") gelingt es völlig zu überzeugen und trotz ihrer eher kleinen Rollen einen Eindruck beim Zuseher zu hinterlassen.

Der wahre Star des Films ist aber ohnehin Ang Lee's großartige Inszenierung. Gemeinsam mit Kameramann Rodrigo Prieto erzählt er diese berührende Liebesgeschichte in großartigen Bildern, von denen dem geneigten Zuschauer wohl einige noch lange in Erinnerung bleiben werden - exemplarisch seien die Auseinandersetzung während des 4. Juli und die malerischen Eindrücke von Brokeback Mountain genannt.

Neben den wundervollen Bildern überzeugt aber auch Ang Lee's Inszenierung an sich, erzählt er doch diese Liebesgeschichte auf berührende, aber nie in Kitsch oder Pathos abgleitende Art und Weise. Szenen, die andere Regisseure als Tränendrücker erster Güte verbraten hätten, inszeniert Ang Lee mit einer gewissen Distanz, was ihnen jedoch im Endeffekt deutlich mehr Wirkung verleiht, da es echter und ehrlicher wirkt. Vor allem das Ende ist wirklich bewegend - wobei neben Ang Lee und Heath Ledger auch Soundtrack-Komponist Gustavo Santaolalla großen Anteil daran hat, der mit "Wings" eines der schönsten und eingängigsten Themes seit Jahren geschaffen hat.

Wenn es an "Brokeback Mountain" überhaupt etwas gibt, dass weniger gelungen ist, dann ist das das Altersmakeup der Schauspieler und -innen. Sowohl die Teenage-Queens als auch die Hauptfiguren sehen selbst nach 10-20 Filmjahren nur unwesentlich älter aus. Dies gilt insbesondere für Jake Gyllenhaal, der selbst in den späteren Szenen (wo er eigentlich schon an die 40 sein sollte) immer noch wie 25 aussieht. Angesichts der Klasse des restlichen Films sollte man über diese vernachlässigbare Schwäche aber wohlwollend hinwegsehen und stattdessen einfach dieses angenehm ruhige und höchst gelungene Liebesdrama genießen....

Fazit: "Brokeback Mountain" überzeugt vor allem mit guten bis hervorragenden Darstellerleistungen, der angenehm ruhigen und unspektakulären Erzählweise, der großartigen Inszenierung bzw. Kameraarbeit und einer interessanten, mutigen Handlung, die ans Herz geht. Vor allem die Tatsache, dass nicht die Homosexualität der Hauptfiguren, sondern einfach die (zum Scheitern verurteilte) Liebe zweier Menschen im Mittelpunkt des Films steht, macht "Brokeback Mountain" zu einem zeitlosen Meisterwerk und einem (zukünftigen) Klassiker der Filmgeschichte...
Wertung: 10/10