Glücklich schloss Lyssa die Haustür ab. Ran wird heute operiert und danach würde sie ganz gesund sein. „Ich könnt die ganze Welt umarmen." rief sie laut heraus.
„Dafür bist du wohl etwas zu klein, aber wie wäre es mit mir?" Toshi stand vor ihr, er schien an der Ecke auf sie gewartet zu haben.
„Ich weiß nicht." entgegnete Lyssa etwas schüchtern und ging einfach weiter den Weg zur Schule, Lin hatte heute Arbeitsgemeinschaft und war schon in der Schule.
„Ich würde gerne jemanden umarmen." gestand Toshi.
„Und wen?"
„Yayoi." Schon wie er diesen Namen nannte, ließ darauf schließen, dass er sehr viel für Yayoi übrig hatte.
Lyssa schwieg dazu, Yayoi war immer noch da, sie sagte es gäbe etwas was Lyssa noch erledigen müsste, bevor sie gehen konnte, aber Lyssa fiel kein Grund ein.
„Lyssa?"
„Mhm?" machte sie.
„Würdest du Yayoi diesen Brief geben?" Toshi zog aus seiner Jackentasche einen Brief.
Lyssa sah ihn an und nickte dann.
„Danke schön." bedankte sich Toshi, streichelte ihr kurz durch das Haar und ging dann seiner Wege.
Lyssa war zusammen mit Yayoi auf ihrem Zimmer, als sie den Brief öffnete. Yamamoto war im Krankenhaus und wartete zusammen mit ihren Eltern darauf, dass Ran wieder aufwachte.
„Was steht drin?" drängte Yayoi.
„Warte." murmelte Lyssa und fing an zu lesen:
„Liebste Yayoi!
Wie gerne würde ich dich wiedersehen, wie gerne würde ich dich
wieder küssen. Nichts wünsche ich mir sehnlicher als dich zu sehen.
Ich frage dich ob wir uns treffen können? Wenn ja dann schreib mir
und gib den Brief Lyssa, ich bin mir sicher sie wird ihn mir
überreichen.
In Liebe Toshi."
„Das ist es." fiel es Yayoi ein.
„Was?" Lyssa lies den Brief sinken.
„Die Gefühle von Toshi lassen mich nicht gehen."
„Und was soll ich machen?" Lyssa wusste weder ein noch aus.
„Es gibt drei Möglichkeiten. Die Erste, du lässte es so wie es ist und bleibst für ihn Yayoi. Oder du sagst ihm die Wahrheit. Die dritte Möglichkeit, du sagst einfach, dass du kein Interesse hast." überlegte Yayoi.
„Und was ist die bessere Möglichkeit?"
„Das weiß ich nicht. Das musst du selber entscheiden. Lyssa, bist du zu so einer großen Liebe bereit? Vergiß nicht, du bist erst zwölf. Denn Toshi zu sagen, du hättest kein Interesse, wäre eine Lüge."
Lyssa senkte den Kopf. Ja, Toshi zu sagen, sie hätte kein Interesse wäre gelogen, aber war sie wirklich für so eine große Liebe bereit? Sie konnte doch noch gar nichts mit Jungs anfangen.
„Nein." sagte sie dann. „Ich bin noch nicht bereit für eine so große Liebe."
„Dann sag es ihm." bat Yayoi.
„Ja, das werde ich."
Langsam ging das junge Paar spazieren. Über ihnen funkelten die Sterne am Firmament. Noch hatte Yayoi sich nicht dazu aufraffen können, es ihm zu sagen.
„Es ist wunderschön hier im Park." fand Toshi und führte Yayoi auf eine Aussichtsplattform, von wo man die Stadt beobachten konnte.
„Ja, sehr schön." nickte Yayoi und blickte zur Stadt.
„Yayoi?"
Gewohnheitsmäßig drehte sie sich um und sah in Toshi's Augen.
„Du bist wunderschön." Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie. Dieses mal war es anders, dieses mal benutzte er seine Zunge und Yayoi empfand es als wunderschön, aber sie war noch nicht soweit.
„Bitte, hör auf." bat sie.
Toshi lies sie los. „Was hast du?"
„Das du dich in mich verliebst, war nicht beabsichtigt." fing sie an.
Toshi verstand gar nichts.
„Ich hab es doch nur getan, damit Ran weiter leben kann."
„Von was redest du? Ich versteh nicht ganz."
Yayoi seufzte auf, das es ihr so schwer fallen würde hätte sie nicht gedacht. „Ich zeige es dir." sagte sie und wünschte sich jünger.
Toshi glaubte seinen Augen nicht, was da geschah, denn nun stand plötzlich Lyssa vor ihm. „Was... wie? Oh man wie hast du das hingekriegt?" bestürmte er sie.
„Ich erkläre es dir." entgegnete Lyssa und erzählte ihm alles, auch von Yayoi, dem Mädchen im Sommerkleid.
„So wie du mich jetzt erlebt hast, bin ich erst in fünf Jahren. Ich habe es dir gestanden, weil ich im Moment noch nicht bereit bin für so eine Liebe, wie du es dir wünschst." endete Lyssa und sah traurig zu Boden.
Toshi schwieg eine ganze Weile und überlegte. Ja, er hatte sich bei Beiden gleich wohl gefühlt, aber bei Yayoi war es anders und nur weil sie älter war. Er würde Lyssa in fünf Jahren ganz anders sehen als jetzt und wie, das wusste er auch.
„Lyssa?"
Sie sah auf, diese Angwohnheit gefiel ihm, immer sah sie einem direkt in die Augen. „Du weißt genau, jetzt fühle ich nichts für dich, aber das kann sich ändern. In fünf Jahren oder sogar früher. Ich weiß meine Gefühle werden sich mit jedem Jahr ändern, bis sie dann die Gefühle sind, die ich für Yayoi fühlte." sagte er dann.
„Wie soll es weiter gehen?" wollte Lyssa wissen.
Toshi lächelte und kramte aus seiner Jackentasche ein kleine Schatulle heraus, er reichte es Lyssa.
„Öffne es." ermunterte er sie, als Lyssa es unschlüssig ansah.
„Oh!"
Toshi lächelte über ihren erstaunten Ausruf, denn in diesem Kästchen befand sich ein silberner Ring. Er war einfach verarbeitet und in der Mitte befand sich ein wunderschöner, weißer Opal.
„Ich fahre übermorgen wieder nach Tokio.Nimm diesen Ring, trage ihn bei dir und in fünf Jahren sehen wir uns wieder. Am gleichen Tag zur gleichen Zeit." erklärte er.
Lyssa schloß das Kästchen und lächelte. „Ja, am gleichen Tag, zur gleichen Zeit. Ich verspreche es dir." sagte sie dann.
Toshi sah auf, als er einen kleinen Windhauch bemerkte und entdeckte ein zwölfjähriges Mädchen in einen weißen Sommerkleid, welches ihm zulächelte.
„Ich hoffe für euch Beide das Beste." wünschte sie und vermischte sich mit den Funkeln der Sterne.
Am nächsten Tag hing der Ring an einer Kette, die Lyssa niemals abnahm.
Fünf Jahre später:
Lin und Lyssa, beide inzwischen siebzehn, gingen von der Schule nach Hause, es war Freitag.
„Was hast du heute vor?" wollte Lyssa wissen, sie sah genauso aus wie Yayoi nur ihre Haare waren kürzer.
„Ich treffe mich mit Yuichiro." Lin wurde etwas rot, das passierte ihr ständig, seit sie ein Paar waren. Und sie waren ein schönes Paar.
„Und was hast du heute schönes geplant?" wandte sich Lin nun an ihre Freundin. Lin hatte sich auch verändert. Sie war größer geworden ihre kindlichen Züge hatte sie ganz und gar verloren, aber an die Schönheit von Lyssa kam sie nicht ran und das machte ihr nichts aus.
Lyssa sah etwas verlegen auf ihre Füße und dann wieder auf. „Ich habe heute eine Verabredung." Ihr Herz klopfte, wenn sie an Toshi denken musste, zwar hatte sie ihn ab und zu mal in den Medien gesehen. Aber heute würde der entscheidende Tag sein.
„Ehrlich! Du hast eine Verabredung?!" Lin konnte das nicht fassen. Anscheinend hatte sie endlich den Wunsch eines Jungen erhört und ging mit ihm aus. „Mit wem?" fragte sie neugierig.
„Willst du das wirklich wissen?" hakte Lyssa nach.
„Natürlich." nickte Lin heftig.
„Es ist Toshi." gestand Lyssa.
„Ich kenne keinen Toshi."
„Kennst du."
„Nein."
Lyssa nickte nur.
„Den einzigen Toshi den ich kenne, ist mein Bruder und den kannst du nicht meinen." grübelte Lin und sah ihre beste Freundin an.
„Doch genau den."
„Nein!!!" rief Lin laut auf und dann beäugte sie ihre Freundin. „Weißt du was, du siehst genau wie Yayoi aus." fiel es ihr auf.
Lyssa wurde es siedend heiß. Klar nach dem Talentwettbewerb sprach man noch öfters über die Cousine, aber weder Lyssa, noch Yamamoto, der mit seinen dreizehn Jahren schon ein Mädchenschwarm war, noch Toshi hatten je wieder diesen Namen genannt.
„Wirklich, du siehst genau aus wie sie und du benimmst dich auch so wie sie. Immer öfters denke ich du und Yayoi seid eine Person."
„Ach, wirklich." Lyssa ahnte furchtbares.
„Nein." Lin bekam heute eine Überraschung nach der anderen.
„Doch." nickte Lyssa nur.
„Du warst Yayoi?" fragte Lin ungläubig.
Ein weiteres Nicken kam zur Antwort.
„Weiß es Toshi?"
„Ja, ich habe es ihm gesagt, als ich mit ihm, vor fünf Jahren, aus war."
„Erzähl mir alles." Lin zog Lyssa in das nächste Ice-Café. Dort erzählte Lyssa Lin alles.
Die Sterne funkelten wie vor fünf Jahren und auch der Ausblick hatte sich nicht verändert, aber dafür hatte sich Lyssa sehr verändert. Wo blieb Toshi?
Langsam trat Toshi auf die Plattform und sah dort ein junges Mädchen stehen. Das war Lyssa. Sie hatte sich sehr verändert, gewachsen war sie und nichts kindliches war mehr an ihr.
Wind kam auf und wehten einige Strähnen in ihr Gesicht. Lyssa strich sie beiseite und gewahrte Toshi.
„Schön dass du es nicht vergessen hast." lächelte sie.
„Wie könnt ich dich je vergessen?" entgegnete Toshi und sah, das Lyssa den Ring an ihren rechten Mittelfinger.
„Und was jetzt?" fragte Lyssa. Beide standen sich gegenüber und sahen sich in die Augen.
„Was fühlst du?" wollte Toshi wissen.
„Zuneigung und mein Herz klopft wild." gestand Lyssa und musste weg schauen, diese Augen machten sie ganz unsicher.
„Meine Gefühle haben sich für dich geändert. Ich sehe dich nicht mehr als Kind, als zweite kleine Schwester." flüsterte Toshi.
„Als was dann?"
„Als jemanden den ich liebe mit meiner ganzen Seele, mit meinen ganzen Herzen." flüsterte Toshi und zog Lyssa gefühlvoll in seine Arme.
Ein Glücksgefühl überkam Beide. Sie drückte sich fest an ihn, es war so schön, das zu hören. So schön das ihr tatsächlich ein paar Tränen über die Wange kullerten.
„Was ist, warum weinst du?" fragte Toshi mit einem Lächeln im Gesicht.
„Weiß nicht." verstohlen wischte sich Lyssa die Tränen weg.
„Ist schon gut." Toshi strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, sah ihr in die Augen und kam immer näher. Erst küsste er sie auf die Stirn, dann auf die Nase und dann auf den Mund.
Jetzt konnte Lyssa es genießen, jetzt hörte sie nicht vorher auf und es war so schön seine Lippen zu spüren und seine Zunge. Ja jetzt war es soweit, jetzt war sie für die große Liebe, welche ihr Toshi gab und welche auch sie empfand, bereit.
ENDE






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