Die Absetzung von Enterprise kam gerade zur falschen Zeit - nämlich als die Serie endlich anfing, gut zu werden. Zwar fand ich den Handlungsrahmen in der 3. Staffel jetzt nicht so überragend (und die letzten 2 Folgen der STaffel habe ich immer noch nicht gesehen - zur 4. kann ich überhaupt noch nichts sagen) trotzdem hat sich dort gezeigt, dass man endlich wieder neue Geschichten gefunden hat, die sich zu erzählen lohnten. Vor allem Manny Coto hat in dieser Richtung viel bewegt und einige gute Akzente gesetzt - während die Folgen von Berman und Braga meist große Rückschläge waren.

Ich habe all meine Gedanken udn Probleme die ich mit Enterprise hatte in meiner Kritik zur 1. Staffel eigentlich sehr schön zusammengefasst, udn will diese auch hier gleich mal posten.

Nach dem eher ungelungenen Finale von Voyager stellten sich ST-Fans aus aller Welt die gleiche Frage: Wie geht es jetzt weiter? Mir erschien es schon immer am vielversprechendsten, den Blick nicht noch weiter in die Zukunft zu richten, sondern in die Vergangenheit zurückzukehren. Warum nicht Cpt. Robert April auf der ersten Mission der alten Enterprise begleiten? Oder Captain Sulus Abenteuer auf der Excelsior näher beleuchten? Weg vom Action-Einheitsbrei, und endlich wieder die Erforschung des Weltalls in den Mittelpunkt rücken, zum eigentlichen Thema von Star Trek ("To boldly go where no man has gone before") zurückkehren. Wie sagte Picard doch in "Insurrection" so schön: "Does anyone remember the time when we were Explorers?" Wie wahr, wie wahr...

Dementsprechend positiv habe ich die Ankündigung der neuen Serie "Enterprise" aufgenommen. Zwar fand ich es ein wenig lächerlich, dass schon wieder ein Raumschiff diesen Namen trägt, doch schien man sich nicht nur in eine interessante Epoche der ST-Vergangenheit zu begeben, Berman & Braga versicherten auch, man wolle mit der neuen Serie zu den Wurzeln von Star Trek zurückkehren. Und so wartete ich durchaus hoffnungsfroh auf die erste Staffel von Enterprise, dass Ergebnis hat mich aber leider dann doch ziemlich enttäuscht...

"It's been a long road..." - Gedanken zum Intro

Beginnen wir, wie das nun mal so üblich ist, beim Anfang: Natürlich hat man auch der 5. Star Trek-Serie einen eigenen Vorspann serviert. Selten jedoch gab es über einen ST-Vorspann so viele Diskussionen wie hier. Der Grund: Berman und Braga haben entschieden, dem Jugendserien-Trend zu folgen, und à la "Dawson's Creek", "Charmed" etc. den Vorspann nicht mit einem instrumentalen Stück, sondern mit einem richtigen Lied zu unterlegen. Das Ergebnis spaltet die ST-Fangemeinde entzwei, wobei ich eindeutig zu denen gehöre, die "Faith of the Heart" eher weniger abgewinnen können. Während die Sequenz an sich von den Bildern und dem Aufbau her sicher die beste aller bisherigen ST-Serien ist, so wäre mir ein rein instrumentales Main Theme deutlich lieber gewesen. Einen Grund dafür hat vor allem die letzte Folge der ersten Staffel gezeigt: Während ein instrumentales Stück zu jeder Folge passt, egal ob lustig, tragisch, spannend..., so war der fröhlich-optimistische Titelsong von Enterprise gerade in dieser Folge höchst unpassend. Ein instrumentaler Titelsong ist eben deutlich vielseitiger einsetzbar. Doch auch sonst sagt mir das Lied einfach irgendwie weniger zu. Bezeichnend: Bei den bisherigen ST-Serien habe ich die Titelsequenz so gut wie nie übersprungen, das Intro von Enterprise habe ich mir von insgesamt 25 Folgen der ersten Staffel gerade 3-4 mal angeschaut...

"Originelle Charaktere - verzweifelt gesucht!" - Die neuen Figuren und deren Darsteller

Gleich mal vorweg: Die Darsteller machen ihre Sache allesamt gut. Nur schade, dass man einigen wenig bis keine Gelegenheit gibt, um zu zeigen, dass sie auch mehr als einen Gesichtsausdruck beherrschen. Doch der Reihe nach:

Archer: Sein Charakter ist eigentlich noch der Interessanteste. Scott Bakula versteht es wirklich, eine Art Aufbruchstimmung zu vermitteln. Hin und wieder darf Archer sogar Schwächen zeigen (wobei leider die Momente, in denen er mal wieder der Klügste, Stärkste etc. ist, deutlich überwiegen). Bei aller Freude über sein Amt und die damit verbundenen Möglichkeiten vergisst er nämlich auch nicht die Gefahren und die große Verantwortung, die auf seinen Schultern lastet. Und hin und wieder kommen ihm auch Zweifel, ob die Vulkanier mit ihren Bedenken vielleicht nicht doch recht hatten. Nichtsdestotrotz ist er alles andere als ein "Weichei". Er kann durchaus auch eine gehörige Portion Sturheit an den Tag legen, vor allem, wenn es darum geht, anderen zu helfen.

Soweit zum Positiven, denn die Wahrheit ist: Archer ähnelt in seiner Art viel zu sehr einem anderen, nicht unbekannten Enterprise-Captain: James T. Kirk. Denn mal abgesehen davon, dass Kirk's "Aufriss-Quote" deutlich höher ist (*g*), unterscheiden sich die Figuren eigentlich nur durch die hin und wieder auftretenden Selbstzweifel. Doch das reicht nicht, um Archer's Charakter von Kirk ausreichend abzugrenzen...

T'Pol: Ganz in alter Tradition gibt's als Wissenschafts- und 1. Offizier einen Vulkanier... genauer gesagt, eine Vulkanierin! Und um die ganzen durch 7of9 zu ST-Fans mutierten notgeilen Teenies bei der Stange zu halten (Die Anspielung war jetzt nicht mal beabsichtigt! *g*), wurde ein ehemaliges Model gecastet, dass eigentlich bisher keine Schauspielerfahrung vorweisen kann. Muss ja auch nicht sein, als Vulkanierin hat man ja ohnehin nix anderes zu tun, als dauernd mit stoischer Miene herumzurennen. Das Schlimmste aber an der ganzen Sache: Die Frau KANN sogar noch halbwegs schauspielern, bekommt aber leider von den Machern nur selten bis nie Gelegenheit, dass auch zu zeigen! Und so wie alle Vulkanier in Enterprise führt sie sich leider ungewöhnlich arrogant und teilweise auch sehr respektlos gegenüber den Menschen auf. Das will zu den ansonsten gar emotionslosen Spitzohren irgendwie so überhaupt nicht passen... Wie auch immer, T'Pol ist durchaus eine interessante Figur mit einigen Facetten. Schon komisch, dass gerade die VULKANISCHE Figur diejenige ist, die sich während der 1. Staffel am meisten entwickelt...

Trip: Auch hier muss wieder festgehalten werden: Nicht gerade sehr originell, was uns hier serviert wird. Er ist eigentlich nur ein Paris-Klon, der seinerseits bereits eine Kopie von Riker war. Einziger Unterschied: Er ist nicht GANZ so ein Draufgänger wie die Beiden, uva. seine Freundschaft mit Archer verleiht ihm zusätzliches Profil. Neben Archer der einzige Charakter, den ich wirklich vermissen würde, aber weniger aufgrund der Figur an sich, als eben wegen der Beziehung zwischen ihm und dem Captain...

Hoshi: Hey! Endlich mal ein Charakter, der die Bezeichnung "neu" halbwegs verdient hat, wenn sie auch mit ihrer Unsicherheit ein bisschen sehr an Harry Kim erinnert. Sie kann einem zwar mit der Zeit mit ihren ewigen Selbstzweifeln schon auch mal auf die Nerven gehen, doch bringt sie mit ihren Vorbehalten und Ängsten einen gewissen Realismus in die Serie, immerhin sprechen wir hier von der ersten großen Weltraummission der Menschheit. Da ist ein bisschen (Ehr-)Furcht durchaus angebracht...

Reed: Da sich diese Kritik wirklich nur auf die 1. Staffel bezieht, muss ganz klar gesagt werden, dass Malcolm Reed in eben dieser sehr vernachlässigt wurde. Man hat zwar in 1-2 Folgen versucht, ihn krampfhaft interessant zu machen, ist damit aber ziemlich gescheitert. Eigentlich weiß man am Ende von Staffel 1 nichts über Malcolm, außer dass er sehr auf seine Arbeit fixiert zu sein scheint, und Essen eher als notwendiges Übel denn als Genuss empfindet... wow, was für eine herausragende Charakterisierung!!!

Phlox: Der Doktor der Enterprise war der Versuch der Macher, eine gute Neelix-Kopie zu erstellen. Gelungen ist dies meiner Ansicht nach nicht, denn für mich ist Phlox eigentlich die einzige Figur, die ich schon richtiggehend als nervend und störend empfinde. Da war mir Neelix aber tausendmal lieber...

Mayweather: Über den guten Mayweather gibt es nichts zu sagen. Das Hervorstechendste an seinem Charakter ist der mit der Figur verbundene unfreiwilligen Humor, da er irgendwie sehr an Laredo aus "Galaxy Quest" erinnert. Doch ansonsten hat Mayweather wirklich überhaupt gar nichts zu bieten, nicht die geringsten Ecken und Kanten, nicht den kleinsten Wesenszug, der ihn von den anderen Besatzungsmitgliedern abgrenzt. Seine Figur ist so gut charakterisiert wie die zum Sterben verdammten Rothemden in TOS. Eine absolute Enttäuschung, und sicher der Charakter, den ich am wenigsten (nämlich gar nicht!) vermissen würde. Da sind selbst Nebencharaktere wie z.B. die Freundin von Phlox interessanter...

Noch ein letzter kurzer Kommentar was die Charaktere betrifft: Bei den früheren ST-Serien, egal ob TNG, DS9 oder VOY, waren die Hauptcharaktere schon nach dem Pilotfilm eigentlich ausreichend charakterisiert, um sie unterscheiden zu können. Bei Enterprise hat es bis ungefähr Folge 20 gedauert, ehe ich die Namen den Figuren zuordnen und sie auseinanderhalten konnte. Das sagt eigentlich schon alles...

"Science Fiction, bitte melde dich!!" - Zweifel an der Bezeichnung "SF" für Enterprise

Ist Enterprise wirklich eine Science-Fiction Serie?? "Aber natürlich", werdet ihr jetzt sagen, "immerhin spielt sie ja im Weltraum, auf einem Raumschiff, und man macht Bekanntschaft mit neuen Planeten, Zivilisationen und so...". Tja, das stimmt natürlich... aber was ist denn ausschlaggebend? Der ORT der Handlung, oder der INHALT? Ich denke, um einen Film/eine Serie in ein Genre einzuordnen, ist eindeutig Letzteres heranzuziehen. Und jetzt schauen wir uns mal die Folgen der 1. Staffel an. Wie viele Episoden mit "SF-Inhalt" finden sich dort? Nun, wir haben den temporalen kalten Krieg... und das, liebe Leute, war es dann auch schon! Wo sowohl die früheren ST-Serien als auch die Konkurrenz mit mindestens 4-6 SF-Themen pro Staffel aufwarten konnten/kann, fristet die Science Fiction in Enterprise ein absolutes Schattendasein. Die Hauptzutat von Enterprise ist eindeutig die "Äksch'n", wirklich ernsthafte SF-Inhalte haben bei der neuesten ST-Serie leider nichts mehr zu suchen. Ja selbst die Zeitreise-Thematik dient eigentlich nur als Ausrede für zusätzliche Action! Und daher finde ich, dass sich Enterprise die Bezeichnung Science Fiction wahrlich nicht verdient hat. Abenteuerserie ja, aber SF und somit legitimer Nachfolger der bisherigen ST-Serien (wobei DS9 und Voyager an reinen SF-Themen auch schon mehr als arm waren), nein.

"Für eine neue Star Trek-Serie suchen wir noch originelle Ideen. Zuschriften bitte an Rick Berman oder Brannon Braga." - Gute Seiten, Schlechte Seiten

Eine Serie steht und fällt mit den Drehbüchern. Insofern ist es doppelt tragisch, dass eben hier meiner Meinung nach die größte Schwäche von Enterprise zu orten ist. Denn an originellen Ideen mangelt es in Enterprise leider völlig, und bei der einzigen in dieser Hinsicht erwähnenswerten Idee, nämlich dem temporären kalten Krieg, hat man das Gefühl, dass selbst B&B keinen Plan haben, was das ganze eigentlich soll, und wie es weitergeht. Nun gut... mangelnde Originalität ist natürlich nicht gerade eine Auszeichnung für den Nachfolger von Serien, die von eben dieser nur so gestrotzt haben, aber so lange die Folgen trotzdem interessant und spannend bleiben, könnte man das ja noch irgendwie verschmerzen. Doch genau das ist es: Der Großteil der Episoden der 1. Staffel waren nämlich leider nicht nur uninteressant, sondern noch dazu nicht spannend. Allzu oft bringt man die Hauptcharaktere in irgendwelche bedrohliche Situationen, und da man weiß, dass am Ende ohnehin alle wieder auf der Brücke stehen, um zu neuen, nicht minder langweiligen Abenteuern aufzubrechen, ist das ganze ungefähr so spannend wie die Cliffhanger der 70er-Batman-Serie. Es bleibt nur die Frage, "wie" sie dieser Bedrohung entfliehen können, das "ob" steht außer Zweifel. Wo frühere ST-Serien durch Bedrohungen für andere oder auch einfach nur einem interessanten Rätsel Spannung erzeugt haben, ist Enterprise völlig auf die doch recht billige "unser Captain ist in Gefahr"-Masche angewiesen, und eben die funktioniert einfach nicht!! Und so sind die meisten Enterprise-Folgen leider nicht nur unoriginell, sondern auch ohne jegliche Spannung und/oder Dramatik.

"Also diese Enterprise... viel in der Birne hat sie ja nicht, aber wow... sieht die umwerfend aus..." - Design & Effekte

Bei aller Kritik zu den ganzen "inneren Werten", muss allerdings auch eines ganz klar festgehalten werden: Am Design, der Ausstattung und den Special Effects gibt es absolut nichts auszusetzen. Meiner Ansicht nach gibt es momentan nur eine andere SF-Serie, die Enterprise in dieser Hinsicht das Wasser reichen kann, nämlich Stargate, wobei vor allem die CGI-Effekte in Enterprise noch einen Tick besser gelungen sind. Und so kann man sich wenigstens damit trösten, dass wohl noch keine SF-Serie besser ausgesehen hat, als Enterprise. Auf Dauer wird das allein jedoch zu wenig sein...

"Paramount Pictures proudly presents: Die inoffizielle Nachfolgeserie zu Baywatch... Enterprise!" - Akte: Sex

Ich gebe es ja offen zu: Dass die Star Trek-Macher darauf bedacht sind, die weiblichen Vorzüge der von ihnen gecasteten Schauspielerinnen ins rechte Licht zu rücken (was auch die Vermutung nahe legt, dass beim Casting nicht nur die schauspielerische Leistung ausschlaggebend war; ein Verdacht, der z.B. durch Marina Sirtis' teilweise laienhafter Darstellung nicht gerade ausgeräumt wird), ist wahrlich nichts Neues. Nicht umsonst hat man z.B. in "Das nächste Jahrhundert" die Kamerawinkel verdächtig oft so gewählt, dass Marina's wohlgeformtes Hinterteil auch immer schön zu sehen ist (diese "ass-shots" haben ja mittlerweile schon fast Kultstatus; dank an dieser Stelle an Phil Farrand, dem ich diese Erkenntnis zu verdanken habe, und dessen "Nitpicker's Guide" für die diversen Star Trek-Serien ich nur wärmstens empfehlen kann). Auch bei Voyager gab es ja einige Diskussionen, als 7of9 an Bord kam, wobei die entsprechende Kritik zumindest teilweise dadurch entkräftet wurde, dass man hier keinen reinen Pin-Up-Charakter erschaffen hatte, sondern eine wirklich interessante, originelle Figur. All dies ist Beweis genug, dass Star Trek schon immer mit einer Prise Erotik gewürzt wurde. Warum ist dies also gerade bei Enterprise so schlimm?

Was die erotischen (?) Einlagen bei Enterprise so besonders störend macht, ist die plumpe Art, mit der diese eingebaut wurden. Schon allein die Kontaminationskammer und die Mischung aus Massage-Öl und Gleitcreme, mit dem sich Archer und Co. nach jedem Besuch auf einem fremden Planeten einschmieren müssen, wirkt einfach nur lächerlich. Hier wird keine knisternde Erotik versprüht, weil alles einfach viel zu aufgesetzt und konstruiert wirkt. Doch das ist ja nicht mal das Schlimmste: Der absolute Tiefpunkt der Staffel war eindeutig, als Archer in der Folge "Im Schatten von P'Jem" beim Befreiungsversuch "zufällig" mit seinem Gesicht auf T'Pols Brust gelandet ist. Hier setzt sich Enterprise auf eine Stufe mit "Eis am Stiel" und Konsorten, und dies als langjähriger ST-Fan miterleben zu müssen, empfinde ich als seelische Grausamkeit...

Nochmals... wenn B&B meinen, sie müssen jetzt unbedingt Erotik-Einlagen einbauen, um den vormaligen Baywatch-Sehern ein neues zu Hause bieten zu können, bitte schön. Aber dann sollen sie es doch wenigstens nicht so plump anstellen. Warum nicht einfach Hoshi mal im Bad oder in der Dusche zeigen? Das wäre auch schon schlimm genug, würde aber längst nicht so aufgesetzt und erzwungen (und somit auch nicht so störend) wirken wie diese ewigen Gleitgel-Orgien im Darkroom, von einem "zufälligen" Verlust des Top's (wobei ich hier schon auf "Die Schockwelle - Teil 2" vorgreife) ganz zu schweigen.

Wie man es dreht und wendet, "mehr Sex!" war ohne Zweifel die dümmste Idee, welche die Macher bei der Konzeption der neuen Star Trek-Serie hatten, und gehört ohne Zweifel zu den größten Kritikpunkten, die ich an "Enterprise" vorzubringen habe. Es ist eine Verbeugung vor den vorpupertären Babewatch-Sehern, sowie generell ans verklemmte Ami-Völkchen. Schlichter, dummer Kundenfang. Eine gute Serie hat so etwas nicht nötig, um Zuseher zu gewinnen...


Und hier noch meine Gedanken zur 2. Staffel:
Zuerst mal kann ich euch gleich beruhigen: Nein, das wird nicht wieder so eine seitenlange Doktorarbeit wie bei meiner abschließenden Betrachtung der 1. Staffel . Dort bin ich natürlich in erster Linie auf das dahinterliegende Konzept eingegangen, und habe einige praktisch laufend vorhandene Schwächen angeprangert. Da in der 2. Staffel im wesentlichen am Konzept der Serie festgehalten wurde, ist lediglich eine Art "Update" in bestimmten Bereichen nötig - grundsätzlich gilt aber auch weiterhin dass in meiner abschließenden Kritik zur 1. Staffel gesagte...

Was die Figuren betrifft, hat sich an der starken Zentrierung auf Archer, Trip und T'Pol leider nichts geändert, während die anderen Charaktere in den meisten Folgen leider zu Statisten verkommen. Immerhin hat man sich den beiden bisher am wenigsten charakterisierten Figuren angenommen und ihnen je eine Episode gegönnt, um ihnen zumindest ansatzweise Profil zu verleihen. Die deutlich gelungenere Folge in dieser Hinsicht war wohl eindeutig "Minenfeld", in der man endlich mehr über Malcolm Reed erfahren hat, und einen recht guten Einblick in seine durchaus interessante Persönlichkeit erhielt. In "Horizon" durfte schließlich auch der farblose (ich werde offenbar nie müde, dieses Wortspiel anzubringen - andererseits, angesichts des heftigen Story-Recyclings von Enterprise wird man mir ja wohl die eine oder andere Wiederholung eines Witzes nicht vorwerfen können ) Mayweather endlich etwas mehr von sich preis geben - und das war nun wirklich dringend nötig. Ich erinnere mich immer noch mit Schrecken an "Die Todesstation", als mich Mayweathers Scheintod derart kalt gelassen hat... selbst Porthos' lebensbedrohliche Krankheit in der darauffolgenden Episode hat mich mehr mitgenommen! "Horizon" war zwar insgesamt relativ langweilig und weniger gelungen, zumindest aber ist es den Machern damit gelungen, Mayweather über den Status der "Rothemden" aus TOS zu erheben. Trotzdem nimmt er in der Riege der Enterprise-Crew für mich immer noch eine Statisten-Rolle ein und erscheint als die unwichtigste und überflüssigste Figur. Und auch wenn mittlerweile jedem Crewmitglied mindestens eine Folge gewidmet wurde, bleibt festzustellen, dass dies wohl die bisher schwächste Besatzung in einer ST-Serie ist. Es fehlt das unverwechselbare, die Eigenständigkeit, sowohl gegenüber früheren ST-Charakteren als auch untereinander. Ich denke, eben dies war auch der Grund, warum es bei "Enterprise" so erstaunlich lange gedauert hat, bis ich mir die Namen merken konnte: Die Figuren unterscheiden sich wenig bis gar nicht voneinander. Wo in allen bisherigen Serien jede Person eine ganz bestimmte Fähigkeit oder Charaktereigenschaft in den Mix eingebracht hat, fehlt eben dies an Bord der NX-01. Wenigstens sind einem alle Charaktere halbwegs sympathisch - was vor allem immer wieder eingestreuten witzigen Nebenhandlungen wie dem Kino-Abend in "Horizon" zu verdanken ist...

Während bei den Charakteren der eine oder andere Kritikpunkt in der 2. Staffel ausgemerzt werden konnte, gelten die anderen bereits in meiner Betrachtung der 1. Staffel kritisierten Mängel weiterhin, oder haben sich sogar verschlimmert. Was z.B. den Punkt Erotik betrifft, ist leider anzumerken, dass die Macher in der 2. Staffel sogar noch einen Schritt weiter gegangen sind, und uns in "Kopfgeld" eine unheimlich peinliche, da zu aufdringlich und billig wirkende, Erotikeinlage gegönnt haben, wie sie meines Erachtens bei Star Trek nun aber wirklich nichts verloren hat. Auch ach-so-witzig-erotische "Eis am Stiel"-Einlagen waren wieder präsent, wie z.B. in "Die Schockwelle, Teil 2", wo ausnahmsweise mal Hoshi das Objekt der Begierde spielen und "zufällig" ihr Top verlieren durfte. Was den mangelnden SF-Gehalt betrifft, kann ich meine Kritik im Großen und Ganzen ebenfalls nur wiederholen... wobei mit "Cogenitor" zumindest EINE reinrassige SF-Geschichte ohne dämliches Actionszenario den Weg in die Staffel gefunden hat. Was jedoch bei der 2. Staffel wirklich extrem auffällt (mehr noch als bei Season 1) und für mich das Hauptproblem der Serie darstellt, ist das heftige Story-Recycling. Der neueste Star Trek-Ableger klaut immer öfter Ideen für Geschichten – sei es von sich selbst oder von anderen. Dies ist insbesondere deshalb so tragisch und störend, da die Vorgänger, insbesondere natürlich „Raumschiff Enterprise“ und „Das nächste Jahrhundert“, vornehmlich Vorreiter waren, was die Handlungen betrifft. Der Slogan „To boldly go where no one has gone before“ bezog sich nicht nur auf das Setting im Weltraum, sondern zumeist auch auf die Geschichten, die erzählt wurden. Bei „Enterprise“ ist dieses hervorstechende Merkmal von "Star Trek" zu einem nur höchst seltenen Aufflackern (wie z.B. in „Cogenitor“) verkümmert. Das mag für andere kein Problem darstellen und sie nicht weiter stören, doch zumindest ich empfinde es als Schande...

All diese Punkte führen dazu, dass die Qualität der Folgen insgesamt noch einmal deutlich nachgelassen hat. Vor allem der Durchhänger von Folge 5 bis 14 war wirklich anstrengend, und ließ mich oft darüber grübeln, warum ich mir die Serie eigentlich noch antue. Interessanterweise kam just nach jener Folge, bei der sich Sat.1 entschlossen hat, die Ausstrahlung vorerst mal einzustellen ("Der Übergang"), der lang erhoffte Aufwärtstrend. Episoden wie "Das Urteil" oder "Cogenitor" haben mir den Glauben an die Serie zumindest teilweise wieder zurückgegeben, obwohl auch unter den letzten Folgen der Staffel einige "nur" durchschnittlich unterhaltsam waren und sich auch die eine oder andere Niete eingeschlichen hat. Letztendlich ist es aber hauptsächlich der Richtungswechsel am Ende der Staffel, der mich was die 3. Staffel betrifft doch ein wenig skeptisch werden lässt und mir einige Sorgen bereitet. Ähnlich wie bei Deep Space Nine soll es nun augenscheinlich nicht mehr um die Erkundung des Weltraums gehen, sondern um die Rettung der Menschheit. Nicht Star "Trek“ sondern Star "War(s)“ ist angesagt; Action und Kampf statt Entdeckungsreise und Pioniergeist. Damit droht der Grundgedanke von Star Trek endgültig verloren zu gehen. Sofern dies aber wenigstens bedeutet, dass uns sterbenslangweilige und klischeehafte/geklaute Geschichten sowie einige der schlechteren Ideen der Produzenten (wie die Enterprise-Peep-Show) dadurch erspart bleiben, mag ich eventuell damit leben können...

Fazit: Gegen Ende der Staffel zeigt sich zwar ein deutlicher Aufwärtstrend, doch das reicht nicht, um die schlechte Qualität der Folgen zuvor zu kaschieren bzw. gänzlich in Vergessenheit geraten zu lassen. Auf jedes „Minenfeld“, jeden „Cogenitor“ kommen 1 katastrophale Folge wie „Morgengrauen“ und 3 unterdurchschnittlich-klischeehafte wie „Übergang“, „Kopfgeld“ und „Marodeure". Insgesamt betrachtet ist die erhoffte Steigerung also ausgeblieben, im Gegenteil, mit einem Durchschnitt von knapp über 4 stellt die 2. Staffel sogar noch einen qualitativen Rückschritt dar. Mal sehen, ob der Richtungswechsel in der 3. Staffel daran etwas ändern kann...

Und weil wir schon dabei sind: Schamlose Eigenwerbung in eigener Sache! Auf meiner Homepage (siehe Signatur) könnt ihr euch im Serienbereich meine Reviews zu den Enterprise-Folgen 1x17 (ab da begann ich meine Reviews) bis 3x17 durchlesen (weiter bin ich noch nicht) - schonungslos subjektiv und teilweise vernichtend. War ein gutes Ventil, um den durch die schlechten Folgen aufgestauten Frust loszuwerden