Wo halten "wir" denn bitte schön die Backe hin? Und wo haben "wir" uns "ergeben"? Das klingt ja so, als seien "wir" arme Unterdrückte, die von den bösen Muslimen andauernd angegriffen würden, so daß "wir" uns jetzt schon instinktiv ducken und unterm Tisch verkriechen und uns nicht mehr trauen, im eigenen Haus unsere Meinung auszusprechen. Das sehe ich allerdings nirgends - weder den dauernden Angriff (vielleicht mit Ausnahme des Spinners Ahmadinedschad, der ja wirklich gerne aggressiv rumtönt, aber zumindest im Moment noch niemanden mit Waffengewalt angegriffen hat), noch das Ducken und Kuschen.Zitat von Reiner
Sorry, aber die paar Terroranschläge (ja, ich weiß, einige davon waren verdammt spektakulär) sind nicht von einem kulturell und politisch einheitlichen Block verübt worden, sondern von einzelnen Menschen bzw. kleinen Gruppen. Diese hatten keinerlei offizielle Legitimation durch zentrale politische oder religiöse Instanzen. Allein schon der Gedanke, daß dafür "die islamische Welt" ganz allgemein verantwortlich sei ("SIE"), und daß es sich quasi um eine absichtsvolle Kriegserklärung eben dieser gegen eine ebenso imaginäre einheitliche "westliche Welt" ("WIR") handele, offenbart m.E. ein gefährliches Lagerdenken ("WIR" gegen "SIE").
Im Gegensatz dazu können sich übrigens die muslimischen Staaten und damit die Weltgemeinschaft der Muslime durchaus mit einigem Recht als vom "Westen" angegriffen betrachten, denn immerhin hat es in den letzten Jahre einige Kriege gegen eben solche Staaten gegeben - richtige, offizielle Kriege von staatlicher Seite, nicht Angriffe Einzelner. Und bevor sich jetzt jemand darüber aufregt, daß sich die Muslime allgemein angegriffen fühlen dürfen, aber nicht allgemein für die oben erwähnten terroristischen Akte verantwortlich sein sollen: Es gibt einen Unterschied zwischen einem allgemein in einer Menschengruppe vorhandenen Gefühl und einer offiziellen Verantwortlichkeit. Das heißt übrigens auch, daß die laut manchen Berichten weit verbreitete Zustimmung unter Muslimen bestimmter Länder zu terroristischen Anschlägen gegen den Westen diese Anschläge nichtsdestotrotz nicht offiziell legitimiert und die Leute, die ihnen passiv zustimmen, nicht zu Mittätern oder Auftraggebern macht. Um mal ein plattes Beispiel zu bringen: Mißgünstiger Nachbar A freut sich, als Nachbar C Nachbarn B ermordet, weil dessen Katze immer in seinen Garten gekackt hat und er B ganz allgemein noch nie ausstehen konnte. Das macht Nachbarn A vielleicht zu einem durch und durch unsympathischen Arschloch - aber *nicht* zum Mitverantwortlichen.
Die Regeln der Diplomatie im internationalen Umgang zu beachten ist nicht gleichbedeutend mit "die Backe hinhalten" oder "sich ergeben". Und die Tatsache, daß andere Gesprächspartner (Beispiel: Ahmadinedschad) diese oft nicht einhalten, ändert nichts daran, daß "wir" uns weiter daran halten sollten, sofern wir wollen, daß sie überhaupt von irgendwem ernst genommen werden. Auf Provokation mit Provokation zu antworten, hat noch nie einen Konflikt entschärft.
*Was* genau hier getan werden muß, um den offensichtlich bestehenden und schon lange schwelenden (und übrigens multikausalen, also nicht nur auf der vielbeschworenen Dichotomie "Westen/Islam" beruhenden) Konflikt zu entschärfen, weiß ich auch nicht. Wenn ich es wüßte, wäre ich in der internationalen Politik. ;-) Aber ich bin mir *ziemlich* sicher, daß eine fortgesetzte Politik der gegenseitigen Reizung so ziemlich das Falscheste ist, was man tun kann.





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) ... lassen uns doch, gerade wieder mit dem Papst vorgeführt, "vorschreiben", dass wir den Islam nicht kritisieren sollen/dürfen - weil sie sich nicht selbst kritisieren dürfen.
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