Evolution statt Revolution

Es scheint manchmal auch hier noch schwierig sich verständlich darzustellen und für alle klar zu beschreiben was man meint.


Besonders komisch ist es hier und da noch mit dem Satz von Lawrence M. Krauss (Astrophysiker an der Case Western University und Autor z.B. von „Die Physik von Star Trek“)

Er sagt: „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse entwickeln sich evolutionär und nicht revolutionär.“


Was heisst das wirklich?


Viele verwechseln das oft damit, das er meint die Dinge und Forschungsergebnisse der Zukunft könnten keine anderen Erkenntnisse mehr bringen als wir heute schon wissen.

Nein, so ist es nicht.


Viele erzählen gerne das Beispiel von der einstmaligen Vorstellung die Erde sei eine Scheibe oder das Fliegen sei unmöglich oder die Schallmauer zu überwinden sei einstmals unmöglich gewesen und heute nicht.

Nein, die Schallmauer zu durchbrechen, ab einer bestimmten Geschwindigkeit, war immer möglich. Die Erde war schon immer eine Kugel und keine Scheibe.

Die Materie besteht schon immer aus bestimmten Bausteinen, ob wir sie Moleküle nennen oder Atome, ob wir sie noch weiter „durchdringen“ können in der Erkenntnis oder nicht - sie sind weiterhin was sie waren, heute sind und morgen noch sein werden.

Das Wissen darum hat sich nur verändert.

Hat sich die Luft der Erde an dem Tag verändert als die Gebrüder Wright zum ersten mal geflogen sind?

Nein.

Hast sie sich ein weiteres mal extra verändern müssen als Chuck Jaeger zum ersten mal die Schallmauer durchbrach?

Nein.

Hat sich die Farbe der Wiese verändert an dem Tag, als der erste Mensch die Fotosynthese erklären konnte?

Nein.

Hat der Kieselstein sich in einen Sandstein verwandelt als man die Atome weiter geteilt gesehen hat und z.B. Quarks beschrieb?

Nein.


Gehen wir in die Zukunft:

Wird sich der Anblick des nächtlichen Himmels ändern, wenn es uns eines Tages gelingt zu erklären was die „Dunkle Materie“ (ein reiner „Kunstbegriff“) wirklich ist?

Nein.


Mit jeder neuen Erkenntnis können wir möglicherweise was Brauchbare und Nutzbares ableiten (oder eben auch nicht).

Mit jeder neuen Erkenntnis lernen wir was richtig und was falsch war und ist.


Das bedeutet aber nicht, das sich darum die Welt, das Umfeld oder das Universum an unsere Kenntnisse anpasst. Nein, nur wir entdecken stückweise neue Dinge - und das ist gut und spannend.

Das ist gemeint wenn gesagt wird: „Die Naturgesetze sind wie sie sind, ganz gleich was wir darum wissen oder nicht.“

Dabei muss man auch bedenken, das wir lernen - Stück für Stück - was geht, möglicherweise gehen könnte und was nun definitiv nicht mehr geht.

Die letzte Erkenntnis ist und bleibt genauso wichtig (und wird von vielen übersehen!).


Machen wir das mal an einem SF-Thema fix.

Bei Perry Rhodan hat man sich gedacht, das es die Möglichkeit der künstlichen Gravitation oder der Aufhebung der Gravitation geben könnte.

Kein Widerspruch bis dahin, denn es ist noch immer nicht völlig klar was Gravitation wirklich ist. Besteht sie aus Wellen oder aus Teilchen oder aus beidem oder aus ganz was anderem?

Das einzige was wir genau sagen können ist, das wir beobachten wie sie wirkt.

Solange wir aber nicht mehr dazu sagen können ist vieles denkbar und solange haben SF-Autoren ihren Spass damit.

Es kann der Tag kommen, da wir mehr dazu gelernt haben und dann wissen wir, ob die Vorstellung der SF-Autoren verwirklichbar ist oder eben nie sein wird.

Wir lernen glücklicherweise noch gerne stetig dazu und das schließt auschließlich mit ein, das wir auch dazulernen was nicht geht oder was nicht ist.


Was in dem Zusammenhang oft ebenso vergessen wird, ist die Tatsache, dass die Vorstellung von Molekühlen oder Atome oder von Quarks oder von Strings etc. ... eine reine menschliche Hilfskonstruktion sind.

Man wird gerne verleitet davon, das eine neue Erkenntnis ein Modell komplett über den Haufen wirft ... würde bedeuten das würde die Welt wie sie existiert quasi über den Haufen werfen.

Nein.

Ein Modell, eine These, ein Theorie ist eine menschliche Hilfsvorstellung und muss immer sich an der realen Umwelt messen, beweisen und belegen lassen - ist dabei auch nur eine Annahme falsch ist das Modell falsch.

Diese Kritikfähigkeit ist ein wichtiger Teil der Wissenschaft.


...

Mir ist nur leider bis heute nicht klar, warum die Theologen sich dieser Kritikfähigkeit allzugerne entziehen wollen.