Also, 'holprig' finde ich die alte Übersetzung nun wirklich nicht. *Wenn* sie schwer lesbar ist - was sie, denke ich, aber nicht allgemein ist, sondern lediglich, wenn man relativ stark auf einen bestimmten Stil fixiert ist - dann liegt das eher daran, daß sie in einer etwas altmodischeren, gelegentlich auch etwas umständlicheren Sprache abgefaßt ist. Das macht sie aber nicht holprig. Auch lange, umständliche Sätze können sich sehr flüssig lesen lassen. Es ist lediglich eine Frage der Gewohnheit.Zitat von Reiner
Mit Verlaub: Das ist aber auch eine *völlig* andere Sache. Bei allem Respekt für Perry Rhodan - und daß ich Respekt davor habe, wird, denke ich, schon daraus deutlich, daß ich mich gerade für ein eigenes Perry-Forum hier in der Community ausgesprochen habe - ist doch Perry Rhodan vom Sprachniveau her eine Heftromanserie, d.h. sprachlich am kleinsten gemeinsamen Nenner des Sprachverständnisses orientiert. Wenn wir den Herrn der Ringe vom Sprachniveau mal so ungefähr auf Höhe der FAZ ansiedeln, dann ist Perry Rhodan eher auf Höhe der Bild-Zeitung angesiedelt. Verständlichkeit ist zwar eine Tugend, aber wenn wir sämtliche Literatur an ihrer Verständlichkeit für ein sprachlich eher einfach gestricktes Publikum messen wollten, könnten wir praktisch alle Klassiker und einen Großteil der Gegenwartsliteratur 'in die Tonne kloppen'.Kommt vielleicht daher, dass ich damals das flüssige Lesen der Perry Rhodan Romane gewöhnt war
Um's nochmal ganz deutlich zu sagen: Der Herr der Ringe ist *auch im Original* kein leichtes Buch. Er liest sich *auch im Original* antiquiert. Das ist durchaus so gewollt. Er las sich sogar in den 50ern, also zur Zeit des ersten Erscheinens, bereits antiquiert. Tolkien schrieb durchaus bewußt ein etwas älteres Englisch, denn es lag seiner Mentalität näher. (So, wie z.B. ich teilweise ein etwas antiquiertes und umständliches Deutsch schreibe. Nicht, daß ich mich mit Tolkien vergleichen möchte; ich möchte nur deutlich machen, daß es eben *tatsächlich* Leute gibt, zu deren Stil sowas eben gehört.)
Ich mache keinen irrationalen Kult aus dem Satzbau. Ich stelle lediglich - nach reiflicher Überlegung und *detailliertem* Vergleich und in guter Kenntnis der verschiedenen Fassungen - bestimmte Schwächen in der Krege-Übersetzung fest, von denen einige m.E. über läßliche 'Sünden' hinausgehen.Ich wurde wegen der schlechten Lesbarkeit nur genervt und fand es immer seltsam, dass man so ein "Bohei" aus dieser Art des Satzbaus machte - ja ein regelrechter Kult war das ... bis heute (wie man merkt).
Ich kenne zufälligerweise jemanden, der das Synchroscript korrekturgelesen hat (jep, das war jemand von der Deutschen Tolkiengesellschaft, ein ähnlich 'irrationaler Kultanhänger' wie ich *g*) und weiß daher recht genau, daß dort, wo irgend möglich, immer so eng wie möglich an der Carroux-Übersetzung gearbeitet wurde. Natürlich muß man bei einer Synchro generell Abstriche machen, da die Lippenbewegungen im Original ungefähr denen der deutschen Version entsprechen müssen; man muß also des öfteren etwas improvisieren. Aber recht viele Sätze haben es praktisch 1:1 in den Film geschafft.Nochmal: Schaut Euch die Filme an und man merkt, dass die Sprache der Darsteller moderner ist.
Und bevor hier der Eindruck entsteht, ich verließe mich nur aufs Hörensagen: Ich habe die Filme mehr als ein Dutzendmal gesehen, und ja, tatsächlich auch einige Male auf Deutsch.
Selbst, wenn die Sprache der Filme so modern wäre, wie Du meinst, bin ich nicht der Meinung, daß das generell notwendig ist, um einen guten oder auch nur erfolgreichen Film zu machen. Viele Historienfilme bedienen sich durchaus einer altmodischen Sprache; Shakespeareverfilmungen u.ä. ebenfalls (da ist die Sprache sogar noch wesentlich antiquierter als im Herrn der Ringe). Und sowohl Historienfilme als auch Shakespearefilme und -dramen erfreuen sich relativ gleichbleibend hoher Popularität.Nur so konnte man eine Geschichte neu erzählen damit sie jeder verstehen kann.
Im übrigen *muß nicht alles für jeden verständlich sein*. Ich weiß - das ist furchtbar undemokratisch und elitär von mir, das so offen zu sagen. Aber eine fortwährende Orientierung am kleinsten gemeinsamen Nenner führt über kurz oder lang zu einem Sinken des Sprachverständnisses und der intellektuellen Kompetenz der *gesamten* Bevölkerung. Das Gegenteil hingegen, also eine 'rücksichtslose' Verwendung verschiedenster Sprachebenen und Stile, darunter eben auch von schwieriger und antiquierter Sprache, gibt *allen*, also auch der sogenannten 'einfachen' Bevölkerung, eine Gelegenheit, durch Übung und Gewohnheit ihr Sprachverständnis und ihre intellektuelle Kompetenz zu steigern.
Never write down to your audience.
Wie schon gesagt, Tolkien war bereits zu seinen Lebzeiten 'altmodisch'. Ich denke, das wäre er heute ebenfalls noch. Seine Verbundenheit gegenüber einer vergangenen (Sprach)kultur war vielleicht *das* zentrale Merkmal seiner Persönlichkeit.Was wäre, wenn Tolkien heute leben würde und sein HdR heute schreibt ... die Sprache wäre eine Andere auch von ihm!
Wenn *das* irgendwann der Fall sein wird, wird die Krege-Übersetzung davon genauso betroffen sein. Es dauert Jahrhunderte, bis sich eine Sprache so weit verändert, daß Texte in ihr für Sprecher, die mit einer neueren Version dieser Sprache aufgewachsen sind, nicht mehr verständlich sind. Da machen die vierzig Jahre, die zwischen den beiden Übersetzungen liegen, den Kohl nun wahrlich nicht fett. Und in zwanzig Jahren oder vielleicht schon in zehn wird auch Krege schon wieder milde altmodisch wirken für die neue junge Generation, die dann schon wieder ihren eigenen Slang usw. hat.Und genauso wie wir heute unsere Schwierigkeit damit haben, Bücher aus dem Mittelalter zu lesen, weil wir so einfach auch nicht mehr sprechen und neue Bezeichnungen für vieles verwenden, so wird in vielen Jahren kaum mehr jemand noch die alte Übersetzung lesen können.
Altmodisch wirkt Sprache sehr schnell - da können, gerade, wenn es sich um eine besonders aktuelle, modische Sprache handelt, schon fünf bis zehn Jahre reichen. Texte aus den späten Neunzigern, die auf 'hip' gemacht waren, wirken jetzt schon etwas komisch. Bis etwas allerdings wirklich dem aktuellen Sprachverständnis unverständlich wird, vergehen locker vierhundert Jahre oder mehr. Der oben bereits erwähnte Shakespeare ist für moderne Engländer noch recht gut verständlich; und auch uns in Deutschland hier machen Texte aus dem 19., 18., 17. und mit Einschränkungen auch noch aus dem 16. Jahrhundert keine unüberwindbaren Probleme (zum selber Nachprüfen dieser Behauptung, hier etwas aus der ersten Hälfte des 17. Jh.: http://gutenberg.spiegel.de/gryphius...rste/eitel.htm). Voraussetzung dieser langen Verständlichkeit ist aber natürlich die fortgesetzte Übung jeder neuen Generation im Umgang mit Texten, die nicht unmittelbar ihrem eigenen Sprachgebrauch entsprechen. Das ist eine zentrale Kulturtechnik, die im Moment allerdings leider immer unpopulärer wird.
@Last_Gunslinger: Zu den Filmen wollte ich mich auch noch äußern (mag sie sehr gerne, habe aber auch so meine Probleme mit einigen Sachen), aber dieses Posting ist schon so ein Monster, daß ich da nicht noch eine zweite Grundsatzdiskussion reinpacken möchte. Vielleicht morgen... *g*





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