division one: chapter 2

Ein kleiner Raum, etwa 4 mal 4 Meter groß, mit zwei Schreibtischen und einer kleinen „ViewFoile“, dass ist der Arbeitsplatz von Mr. Roger Sayne und Dave Meida. Die beiden fühlen sich im Großen und Ganzen recht wohl in ihrem Büro. Sie haben beide keine Familie und deswegen auch keine Fotos auf ihren Schreibtischen stehen. Es wäre auch kein Platz dafür, denn die Schreibtische sind voll mit Essensresten. Roger and Dave starren gespannt auf die VF und folgen der Diskussion die gerade läuft.

„… Es ist doch unerhört, dass Sie uns anmaßen Menschenfleisch zu essen. Wir sind doch keine Zombies!“ schreit ein Mann um die 40 mit kurzen braunen Haaren sichtlich entrüstet ins Mikrofon.
„Zombies? Wohl kaum. Schweinen wird nun schon seit Jahrhunderten wiederverwertetes Tierfleisch als Nahrung gegeben. Ohne ernsthafte Probleme damit zu haben. Der Magen der Menschen ist nun mal dem der Schweine sehr ähnlich. Wieso sollten wir also soviel kostbares Fleisch einfach verbrennen und verrotten lassen, wenn wir daraus eine so wichtige Nahrungsquelle für uns Menschen schaffen könnten?“ entgegnete eine sichtlich genervte 25 jährige Frau.
„Ms. Davis Sie wissen ganz genau dass es nicht so unproblematisch ist Schweine mit Tierfleisch zu füttern! Denken Sie doch nur einmal an…“

„Ach der soll doch die Klappe halten. Es geht doch nichts über einen guten Burger mit Menschenfleisch. Soll er eben verhungern wenn es ihm nicht passt. Nachdem schon so viele Tiere auf der bedrohten Liste stehen ist doch Menschenfleisch das einzige was noch zu Genüge vorhanden ist.“ mault Dave so vor sich hin.
„Genau, außerdem …“ bevor Roger den Satz zu Ende sprechen konnte, ertönt eine Frauenstimme aus einem Lautsprecher des Nebenzimmers: „Mr. Sayne, es ist Zeit für Ihren 2 Uhr Termin.“
Roger sieht Dave an und schüttelt den Kopf: „Mann ich hasse es ständig von der VF weggeholt zu werden.“
„Na los Roger, jetzt geh schon. Die Chars haben ja nicht ewig Zeit“ entgegnet ihm Dave und kann sich ein grinsen nicht verkneifen. Roger wirft ihm noch einen bösen Blick zu und verschwindet im Nebenzimmer.

Er betritt einen Raum mit sechs Särgen ähnlichen Behältern. In drei dieser Behälter sind Frauen in den anderen drei Männer. Die Personen selbst unterscheiden sich sehr stark von einander. Doch eines haben sie alle gemeinsam: sie sind vollkommen Haarlos. Auf jedem der Behälter ist eine Tafel, auf denen einige Informationen stehen. Roger sieht sich die Informationstafeln an:

WA: weiblich, caucasian, Größe 1.75, Haarfarbe wählbar
WB: weiblich, afro-american, Größe 1.80, Haarfarbe wählbar
WG: weiblich, asian, Größe 1.70, Haarfarbe wählbar

ME: männlich, caucasian, Größe 1.85, Haarfarbe wählbar
MO: männlich, afro-american, Größe 1.90, Haarfarbe wählbar
MQ: männlich, asian, Größe 1.80, Haarfarbe wählbar

"Schon wieder nur die Standardtypen lagernd. Mal sehen was ich heute brauche.", nuschelt Roger vor sich hin.
Er geht zu einer weiteren VF an der Wand und drückt darauf. Es erscheint eine Akte vor ihm:

ID: 84632261
Name: Lucas Eargon
Geschlecht: männlich
Alter: 32
Aussehen: -
Job: Informatiker
Religion: unbekannt

"Oh, ein 846er Patient. Mal sehen. Ich denke ich gebe ihm ME mit schwarzen Haaren.", Roger geht zurück zu den Behältern und schiebt den Behälter ME in die Mitte des Raumes. Anschließend schließt er sieben Kabel an. Eines am Hinterkopf, zwei vorne in der Gesichtsgegend, zwei am Oberkörper und zwei bei den Beinen. Die Akte wird nun von einem Projektor an die Wand geworfen.
"Wo bleibt denn der Probas für diesen Typen?! Es ist schon zwölf Minuten nach zwei!"
In diesem Moment öffnet sich auch schon die Tür und eine Frau Mitte zwanzig betritt den Raum. Sie ist offensichtlich selbst einmal Patient von ID-BaR gewesen. Sie hat den WA-Typ mit braunen Haaren bekommen und sieht somit fast identisch aus wie die Frau aus dem ersten Behälter.
"Guten Tag! Mein Name ist Miss Merch. Ich bin die Probas für ID 84632261. Können wir anfangen?" fuhr sie Roger schroff und ziemlich ungehalten an.
"Ich habe ohnehin nur noch auf Sie gewartet.", murmelt Roger.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren drückt er einige Knöpfe an dem Behälter. Er deutet ihr vom Behälter Abstand zu halten.
"Ich beginne nun mit der ersten Stufe und hole die Daten damit bereits in das Gehirn."
"Keine Angst, ich habe diese Prozedur schon einige Male gesehen, Sie müssen mir nicht sagen was Sie tun!", antwortet die Frau zickig.
Grimassenschneidend betätigt Roger noch einige Schalter. Es beginnt in dem Behälter zu blitzen.
"Ist das normal?", stammelt Miss Merch sichtlich überrascht.
Er lächelt: "Doch noch nicht so oft dabei gewesen?"
Ihr Gesichtsausdruck verdunkelt sich.
"Keine Angst, das ist die neue Methode um den Datenverlust zu minimieren. Ziemlich neu. Funktioniert aber
hervorragend!"
Sie nickt mit einem gezwungenen Lächeln.
"Stufe 2!" erwidert er, ohne der Frau auch nur einen Blick zuzuwerfen. Der Körper in dem Behälter beginnt heftig zu zucken. Miss Merch erschaudert am gesamten Körper. Sie muss ihren Körper zwingen sich nicht wegzudrehen.
"Die Reflexe sind alle in Ordnung." sagt Roger mit einer gefühlslosen Stimme.
"Ich werde jetzt die Daten in sein Hirn speisen und Ihn aufwecken", fuhr er fort.
Erst jetzt bemerkt er wie angeekelt die Frau ist. Ein kurzes Lächeln durchfährt sein Gesicht bevor er mit einiger Verzögerung den letzten der Knöpfe direkt über dem Kopf-Kabel drückt.
Ein Blitz, der das ganze Zimmer erhellte durchfuhr den Behälter. Kurz darauf beginnt eine Anzeige zu piepsen.

Meine Augen öffnen sich. Helles Licht zwingt meine Augen dazu sich wieder zu schließen. Schmerz breitet sich in meinem ganzen Körper aus. Ich versuche zu schreien damit sie aufhören. Mein Mund öffnet sich, doch meine Stimme bleibt stumm. Elektrizität lässt mich aufzucken und einen erneuten Schrei versuchen. Wieder stumm. Konzentration. Die Schmerzen werden heftiger. Zwanghaft versuche ich mich irgendwo festzuhalten. Meine Hände ergreifen nichts. Meine Zähne beißen krampfartig zusammen. Ich muss kämpfen nicht Ohnmächtig zu werden. Ein weiterer elektrischer Stoß durchströmt meinen Körper. Ein weiterer Aufschrei. Krächzen. Immerhin. Mein Körper bewegt sich willenlos. Konzentrier dich. Erstmals vernehmen meine Ohren etwas anderes als das surren von Strom. Ein piepsen. Ein hektisches Piepsen! Meine Augen öffnen sich erneut. Sie haben sich noch nicht an die Helligkeit gewöhnt und schließen sofort wieder. Ein erneuter Stromschlag. Schwarz.

"Was ist passiert?", fragt Fr. Merch besorgt.
"Er ist bewusstlos. Sein Blutdruck ist viel zu hoch. Ich werde ihm etwas zur Beruhigung Spritzen. Das ist das bekannte Problem bei der 846er Serie. Sie war einfach noch nicht so ausgereift. Ich werde ihn in Tiefschlaf versetzen. Anschließend seine Muskeln anschließen um sie zu trainieren. Er wird etwa 2 Wochen still gelegt. Erst dann können Sie ihn mitnehmen."
"Hat er Schäden oder wurde die Identität erfolgreich übertragen?"
"Die Anzeigen seiner Gehirnaktivitäten ist normal. Soweit keine Hirnschädigungen. Inwiefern das Gehirn mit dem Körper zu Recht kommt wird sich erst nach der Tiefschlafphase herausstellen. Aber es sieht nicht schlecht aus. Nachdem er geblinzelt hat und auch seinen Mund geöffnet hat, dürfte er zumindest bereits Kontrolle über seinen Kopf gehabt haben."
"Um es klarzustellen: Ich werde mich nicht um ihn kümmern sollte er körperliche oder geistige Schäden haben!"
"Keine Angst sie bekommen Ihn entweder komplett funktionstüchtig oder gar nicht. Gehen Sie jetzt bitte zu meinen Kollegen um das schriftliche zu Erledigen. Ich werde mich um unseren Patient kümmern."
Die Frau nickt und verlässt das Zimmer.

Dave wartet bereits: "Guten Tag schöne Frau!"
"Ersparen Sie sich ihre Blamage. Ich bin hier für ID 84632261. Haben Sie den Vertrag?"
Dave nickt: "Sie sind vertraut mit den Standard-Klauseln? In diesem Fall gibt es neben der Job- und Wohnungsbeschaffung noch einen weiteren Punkt: er ist Religionslos. Sie müssen ihn also auch noch eine Religion suchen."
"Ein recht ungewöhnlicher Punkt. Warum weiß man nicht welcher Religion er vor seinem Backup angehört hat?", sie wirkt sehr Misstrauisch.
"Es scheint nicht in den Daten auf. Vielleicht ist die Religion aber auch schon geklärt wenn sie ihn einfach fragen. Nachdem Sie die Aufsicht über den Patient 84632261 erhalten haben, haben sie einen Monat zeit diese Dinge mit ihm zu erledigen. Sind sie bereit die Bürgung zu übernehmen?"
"Natürlich. Was muss ich machen?"
"Das übliche Prozedere: Finger und Irisscan.", Dave zeigt auf seinen Schreibtisch.
Frau Merch legt den Finger auf den dafür vorgesehenen Punkt und bückt sich um ihre Augen scannen zu lassen. Dave starrt auf die VF: ein Fehler wird angezeigt.
"Oh, ich wusste nicht dass Sie selbst Patientin waren. In diesem Fall reichen die Scans noch nicht aus. Ich bitte Sie diese Maske aufzusetzen."
"Ist das wirklich notwendig? Die Maske ist sehr unangenehm!" protestiert die Frau.
"Leider ist es notwendig, da es noch nicht ausreicht Ihre ID festzustellen.
Widerwillig setzt sich die Frau die Maske auf. Ein kurzes zucken und die Anzeige auf der VF ändert sich:

ID: 63542626
Name: Merch Ann
Geschlecht: weiblich
physisches Alter: 24
psychisches Alter: 82
Aussehen: WA + braune Haare
Job vor Backup: Psychologin
Job zurzeit: Probas
Religion: Christentum

"Vielen Dank Miss Merch. Sie werden von uns kontaktiert sobald Sie 84632261 abholen können. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!"
Sie reißt sich die Maske herunter und keucht. Ohne ein Wort zu sagen verlässt sie das Gebäude.