Zitat Zitat von Amujan Beitrag anzeigen
Daher dient diese Richtlinie zum sog. "Selbstausschluss", wenn man einer der aufgeführten sog. Risikogruppen angehört. Was mich daran stört und weswegen ich es als Thema vorgeschlagen habe, ist die blatante Diskriminierung und Gleichstellung mit Junkies und Prostituierten ausserdem wird eine generelle Promiskuität unterstellt, die noch dazu ausschliesslich (schwulen- und bi-)Männern quasi-vorgeworfen wird.
Inwiefern hat eine Risikogruppe etwas mit den Anderen zu tun? Die erhöhten Ansteckungsraten bei verschiedenen Risikogruppen haben ja unterschiedliche Gründe, die man nicht gleichsetzen kann - die Folgen dessen aber schon. Sicherlich gibt es monogame Schwule, Junkies die nur unter ärztlicher Aufsicht mit sauberen Spritzen hantieren, und Prostituierte die besonders auf STD's achtgeben - Individuen also, die vielleicht sogar eine niedrigere Infiziertenrate aufweisen als die Durchschnittsbevölkerung. Sie alle teilen aber das "Pech", Mitglied einer peergroup zu sein die im Querschnitt ein wesentlich erhöhtes Infektionsrisiko aufweist.

Hier stellen sich mir zwei Fragen:
1.) Wie soll der Blutspendedienst überprüfen können wer beispielsweise schwul ist oder als Prostituierte(r) arbeitet. Das steht ja den Wenigsten auf die Stirn geschrieben.
2.) Welchen alternativ gleichermaßen effektiven aber nicht "diskriminierenden" Weg gäbe es Deiner Meinung nach, um dem höheren Risiko bei den genannten Risikogruppen zu begegnen? Also eine Methode, die praktisch umsetzbar ist. Letztlich geht es in dem Transfusionsgesetz ja nicht darum Menschen zu diskriminieren, sondern das Risiko verseuchter Blutspenden zu minimieren.

Ich zitiere mal Wikipedia zur HIV-Infiziertenrate (und ich hoffe die Zahlen in dem Schmier-lexikon sind korrekt, ansonsten bitte korrigieren):

[...] insgesamt lebten ca. 56.000 HIV-infizierte Menschen in der Bundesrepublik, davon 47.000 Männer und 8.500 Frauen sowie ca. 400 Kinder. 8.700 von ihnen leben mit Aids.

Von den 2.700 Neuinfizierten waren ca. 81 % Männer; geschätzte 70 % von ihnen sind Männer, die Sex mit Männern hatten, 20 % waren Übertragungen durch heterosexuellen Sex, 9 % Infektionen durch infizierte Spritzen bei Drogenmissbrauch und 1 % Übertragungen von der Mutter auf das Kind, meist während der Geburt.[...]

Mehr als 80 Prozent sind Männer und nahezu 70 Prozent der Gesamtzahl sind Männer, die gleichgeschlechtliche Kontakte hatten. Das Infektionsrisiko für diese Männer ist damit doppelt so groß wie vor fünf Jahren − und so hoch wie seit dreizehn Jahren nicht mehr.


Ich habe einmal nachgegoogelt, und je nach Studie schwankt die Rate von aktiv homo- und bisexuellen Männern etwa zwischen 2% und 5% der männlichen Bevölkerung. Geht man mal vom hohen Wert 5 % aus, so wären das 2,5 % der Gesamtbevölkerung - die 70 % der Infiziertenrate ausmachen. Demnach (wenn die Zahlen korrekt sind) hätte die peergroup "Homo- und bisexuelle Männer" ein HIV-Infektionsrisiko das mindestens 28-fach oder 2800% über dem des Durchschnitts liegt.

Du wirst nicht abstreiten können, dass es aus rein medizinischen Gründen absolut Sinn macht, eine Gruppe mit einem so immens erhöhten HIV-Risiko von der Blutspende auszuschließen. Daher meine Frage, wie Du dieser drastisch erhöhten Gefahr genauso effektiv begegnen willst, wenn es kein Spendeverbot für gesamte peergroups mehr gäbe.

Diskriminierung ist ein sehr heikles Themengebiet, und bestimmte Sachverhalte sind oft nicht leicht als klare Diskriminierung feststellbar. In diesem Fall (Ausschluss schwuler und bisexueller Männer von der Blutspende) fehlt z.B. ein ganz wesentliches Merkmal der Diskriminierung - das Motiv. Denn das Motiv für den Ausschluss dieser peergroup ist nicht, Schwule und Bisexuelle grundlos zu diskriminieren, sondern das Risiko verseuchter Blutspenden zu minimieren - ein nachvollziehbarer medizinischer Grund.

Natürlich ist es verständlich dass man als Mitglied einer peergroup dieses Verbot persönlich nimmt - das ist aber sicherlich nicht die Intention des Transfusionsgesetz.