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Thema: B5 | 1.09 | Die Todesbringerin (Deathwalker)

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  1. #1
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    Outback Stuttgart
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    485

    Standard AW: B5 | 1.09 | Die Todesbringerin (Deathwalker)

    Die Story um das Monster, das ein Geschenk zum Preis der Aufgabe moralischer Grundprinzipien anbietet, ist eine klassische, wird aber hier mE recht gelungen eingesetzt, um die politischen Verhältnisse zu illustrieren. Während nämlich die Charaktere, namentlich Sinclair, Garibaldi und Ivanova, sich mit dieser Frage auseinandersetzen, scheint sie sich für die Regierungen, mit Ausnahme der Vorlonen, gar nicht zu stellen. Es stellt sich heraus, dass die Windswords, ein Kriegerklan der Minbari, bereits im Erd-Minbari-Krieg mit Wissen des Grauen Rates mit Jha’Dur zusammengearbeitet haben. Bis heute sind die Minbari nicht bereit, zu dieser Episode ihrer Vergangenheit zu stehen, und man lässt Jha’Dur lieber entkommen, als dass man die Wahrheit herauskommen lässt. Die Ehrenhaftigkeit der Minbari erhält hier so einige Kratzer. Die Erdregierung leugnet wider besseres Wissen, dass man es mit Jha’Dur zu tun hat, und wischt so die Moralfrage unter den Tisch. Den Narn scheint die Chance, mit Jha’Durs Hilfe Waffen herstellen zu können, attraktiv genug zu sein, um von einem Prozess abzusehen - allerdings sieht zumindest G’Kar die Angelegenheit mit dem Chon Kar nur als zurückgestellt, und ist nicht bereit, Na’Toth für Jha’Durs Serum zu opfern. Und die Liga der Nicht-Alliierten geht angesichts der Aussicht auf das Serum auch recht schnell auf Sinclairs Vorschlag ein, sofern ihnen versprochen wird, dass es irgendwann in der Zukunft zu einem Prozess kommt.

    Die Episode scheint sich auf den ersten Blick vor allem um Deathwalker zu drehen, aber bei genauerer Betrachtung geht sie fast ebenso sehr um Kosh. Kosh hat hier nicht vor, die jüngeren Rassen ihre eigenen Entscheidungen treffen zu lassen. Es wird nicht verhandelt, abgestimmt, oder versucht, durch Gespräche Einfluss zu nehmen, statt dessen wird über die Köpfe der anderen weg entschieden, was für diese das Beste ist und diese Entscheidung wird ohne Diskussion exekutiert. Auch in der Nebenhandlung geht es um Kosh; hier darf sich Talia mit seinen "wichtigen Geschäften" herumärgern. Er manipuliert Talia, setzt sie traumatischen Erinnerungen aus, und zeichnet ohne Rücksicht auf irgendwelche Privatsphäre ihre Gedankeninhalte und Gefühle auf ein Datenkristall auf, "for the future". Insgesamt legt Kosh hier durch die Bank ein richtiges "Papi-Verhalten" an den Tag, und zwar von der äußerst autoritären, besserwisserischen Art.

    Gute Folge insgesamt, drei Sterne dafür.
    "Our thoughts form the universe. They always matter." (Citizen G'Kar)

    http://anderswelten.plusboard.de/

  2. #2
    Wiederholungstäter Avatar von MacGuffin
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    Standard AW: B5 | 1.09 | Die Todesbringerin (Deathwalker)

    An dieser Episode sind zwei Dinge interessant:

    Zum einen natürlich der Haupthandlungsstrang um die Kriegsverbrecherin. Es ist schwer, hier nicht an die Zuflucht von Nazi-Wissenschaftlern bei den Siegermächten und zu denken. Verfolgt und verurteilt wurden ja bekanntlich nur diejenigen, die für die Siegermächte keinen Wert hatten.

    Man muss sich mal fragen: Was wäre, wenn eines Tages Josef Mengele an die Öffentlichkeit getreten und verkündet hätte, er habe auf Grund seiner Forschungen ein Heilmittel gegen Krebs gefunden, sei aber nur dann bereit, es der Menschheit zur Verfügung zu stellen, wenn er rehabilitiert wird?

    Wie hätte die Welt darauf reagiert?

    Tatsächlich ist das nur scheinbar eine hypothetische Frage, denn es ist erwiesen, dass die Siegermächte - allen voran die USA - enorm von der Nazi-Forschung profitiert haben. Und ich bin mir sicher, dass man Mittel und Wege gefunden hätte, selbst von Mengeles Menschenversuchen zu profitieren, wenn dabei irgendwas Nützliches herausgekommen wäre. Vielleicht ist es das ja sogar? Ich weiß zu wenig von dem Thema, um das sagen zu können...

    Die Kernfragen der Episode "Deathwalker" sind also: Wieviel moralische Korruption ist akzeptabel, wenn es darum geht, das Leiden und den Tod von Tausenden mit der Erlösung von Leid und Tod für Millionen zu rechtfertigen? Ist es ferner moralisch zu rechtfertigen, Wissenschaftlern, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen oder diese zumindest stillschweigend geduldet haben, Asyl und eine Amnestie zu gewähren, weil sie im Kampf gegen einen neuen Gegner nützlich sein könnten?

    Wie ich finde, wird dieses Thema in dieser Babylon-5-Episode geschickt behandelt und besonders Jha'durs Statement am Ende macht einen schon nachdenklich: "You will fall upon one another like wolves. It'll make what we did pale by comparison. The billions who live forever will be a testimony to my work, and the billions who are murdered to buy that immortality will be the continuance of my work. Not like us, you will become us."

    Die zweite interessante Sache in dieser Episode ist die Tatsache, dass Kosh erstmals als handelnde Person in Erscheinung tritt und nicht nur in seinem Quartier bleibt und rätselhafte One-Liner von sich gibt, wenn ihn jemand dort besucht.

    Warum hat er Talia Winters auf dem Kieker? Was ist auf dem Datenkristall? Was bedeutet diese ganze, rätselhafte Aktion mit Abbut? Was weiß Kosh, was wir (noch) nicht wissen?

    Dann natürlich der erste Hinweis auf die Rolle, die die Vorlonen im B5-Universum spielen - aber darauf will ich nicht näher eingehen, um Erstsehern nichts zu verspoilern

    Ich finde die Folge gut aber nicht so gut wie "Believers".

    3 Sterne.
    Geändert von MacGuffin (19.10.2008 um 08:21 Uhr)
    "Wenn das deutsche Fernsehen ein Pferd wäre, hätte man es schon längst erschossen" (Oliver Kalkofe)
    "Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann ist es das Recht Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen"
    (George Orwell)

  3. #3
    Forenjunkie
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    Standard AW: B5 | 1.09 | Die Todesbringerin (Deathwalker)

    Zitat Zitat von MacGuffin Beitrag anzeigen

    Die Kernfragen der Episode "Deathwalker" sind also: Wieviel moralische Korruption ist akzeptabel, wenn es darum geht, das Leiden und den Tod von Tausenden mit der Erlösung von Leid und Tod für Millionen zu rechtfertigen? Ist es ferner moralisch zu rechtfertigen, Wissenschaftlern, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen oder diese zumindest stillschweigend geduldet haben, Asyl und eine Amnestie zu gewähren, weil sie im Kampf gegen einen neuen Gegner nützlich sein könnten?
    Wobei das ja nur ein Teil des moralischen Dilemmas um Jha'dur ist. Als wäre die Frage, ob man von ihren Forschungen profitieren darf nicht schon kontrovers genug, wird ja dann mal gegen Ende nebenher noch kurz erwähnt, dass für die Herstellung des Serums noch mehr Opfer nötig wären. Aber irgendwie geht das in meinen Augen etwas unter. Wobei man da auch kritisieren könnte, dass hier extra nochmal versucht wird den Holzhammer auszupacken, um einem die Entscheidung gegen Jha'dur "einfacher" zu machen. Andererseits kann man es natürlich auch so sehen, dass die Regierungen nochmal skrupelloser dargestellt werden sollten.
    Mich stört dieser Punkt allerdings ein wenig. Irgendwie hätte es mir besser gefallen, man hätte sich dieses "noch einen drauf setzen" gespart.

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