Zur Folge an sich: eine nur durchschnittliche Folge, die weder besonders positiv noch besonders negativ auffällt.
The Quality of Mercy (Die Heilerin):
Eigentlich wieder eine gute Folge, ABER:
Der Killer. Das ultimative Böse. Und Talias Trauma werden ca. 5 Minuten zugestanden. Es wird eine Philosophie vertreten, die ich in keinster Weise unterstützen kann. Selbst Patrick Bateman hat eine Seele... Daneben geht am Ende wieder alles zu schnell.
Aber der Richter ist cool.
EDIT:
Abwertung nach Lektüre von Thomas Höhl Meinung:
http://www.sftv.ch/hoehl/b5-1-23.htm
Meine Gedankenlosigkeit bestürzt mich.
Nun aber zu dem Problem, dass anscheinend sowohl Du, als auch (wieder mal) Thomas Höhl mit dieser Folge hat. Zunächst würde mich aber noch interessieren, wie du die Folge ursprünglich bewertet hattest.
Was sich Herr Höhl bei der Kritik zu dieser Folge gedacht hat, ist mir ein absolutes Rätsel. Dass ich seine Einschätzung der Serie überhaupt nicht teile, habe ich ja schon in einem anderen Thread geschrieben, aber gut: Geschmäcker sind nun mal verschieden. Was er sich hier geleistet hat, ist aber schon ein starkes Stück und hat mit unterschiedlichen Geschmäckern nicht mehr viel zu tun. Vorneweg noch: ich habe mir die Folge extra nochmal angesehen, um sicherzugehen, dass mir zum einem, meine Erinnerung keine Streiche spielt und zum anderen um zu überprüfen, ob ich diese "Tendenzen" der Folge bisher einfach übersehen habe und ich jetzt vielleicht zu ähnlichen Schlüssen käme.
Herr Höhl hält die Folge also wohl für ein Plädoyer für die Todesstrafe, eine Ansicht mit der ich absolut nicht übereinstimme. Noch schlimmer als dieses Resultat, zu dem er kommt, ist aber seine Argumentation. Da werden Zitate so verdreht und ausgewählt, dass sie zu seiner Argumentation passen, alles andere wird entweder gar nicht erwähnt oder gekürzt.
Natürlich gibt's in der Folge eine Seite, die die Todesstrafe fordert und zumindest in diesem Fall befürwortet. Das ist Garibaldi. Dass dieser emotional besonders involviert ist (was aber jetzt keine Entschuldigung sein soll), wird von Herrn Höhl natürlich schon mal ignoriert. Desweitern werden Garibaldis Zitate ein viel größer Platz im Artikel eingeräumt, als der Gegenseite. Diese Gegenseite wird von Franklin verkörpert. Dies wird von Höhl zwar kurz erwähnt, dass war's dann aber auch. Ein kurzes Zitat von Franklin wird verwendet, mit dem Hinweis, dass dies das einzige sei. Dies ist schonmal schlicht falsch. Franklin äußert sich sogar noch in der gleichen Szene wiederholt kritisch über Garibaldis Aussagen und über die verhängte Strafe.
Höhl geht auch auf das Rechtsystem und somit auch auf den Richter ein. Zunächst beklagt Höhl das fehlen eines Verteidigers. Kurz: es gibt einen. Er sitzt neben dem Angeklagten, tritt aber während der Szene nicht in Erscheinung und kann daher zugebenermaßen wohl leicht übersehen werden. Außerdem lässt Höhl in seiner Argumenation mehr oder weniger völlig außer Acht, dass das Rechtsystem die Todesstrafe ja überhaupt nicht mehr als Antwort für Mord kennt. (Ob die "Persönlichkeitsauslöschung" jetzt besser ist, sei erstmal dahin gestellt). Dann behauptet Höhl noch, der Richter bedauere, dass er den Killer nicht hinrichten lassen kann und führt folgendes Zitat des Richters hierzu auf: "Da ich dem Gerichtshof der Erdallianz unterstehe, kann ich Sie nicht zum Tode verurteilen. Der Tod Ihrer Opfer wird durch Ihr Leben nicht aufgewogen." Zum einen geht daraus nicht hervor, dass der Richter den Täter gerne hinrichten lassen würde (genausowenig, wie aus irgendeiner anderen Aussage des Richters), sondern besagt lediglich, dass es diese Möglichkeit, auch wenn von einigen auf der Station gefordet (personifiziert durch Garibaldi), gar nicht zur Debatte steht. Zum anderen liest er aus dem Titat heraus, dass hier das Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn propagiert wird. Genau das Gegenteil ist doch der Fall. Der Richter sagt: "Der Tod Ihrer Opfer wird durch Ihr Leben nicht aufgewogen." Das bedeutet, dass durch den Tod des Killers, seine Opfer auch nicht mehr zum Leben erweckt werden, dass durch eine Hinrichtung der entstandene "Schaden" eben gerade nicht behoben werden kann und eine Exekution daher unsinnig ist. Höhl behauptet aber genau das Gegenteil.
Der einzige Punkt, bei dem ich Höhl halbwegs zustimmen muss, ist dass die Begründung, warum die Persönlichkeitslöschung in diesem Fall gewählt wird (quasi Platz- und Geldmangel) doch etwas befremdlich wirkt.
Höhls Meinung, die Folge sei ein Plädoyer für die Todesstrafe ist meiner Meinung nach also in keinster Weise gerechtfertigt. Die Persönlichkeitsauslöschung ist sicherlich, genau wie die Todesstrafe, eine moralisch fragwürdige Sache. In der Folge wird aber für keine der beiden Seiten (Also Pro- bzw. Contra-Todesstrafe/Persönlichkeitsauslöschung) eindeutig oder abschließend Partei ergriffen. In der Folge werden beide Seiten gezeigt und der Zuschauer muss letztenendes entscheiden, wo er steht. Wo JMS persönlich in Sachen Todesstafe steht, weiß ich nicht. Höhls Verweis auf ein Interwiew, in dem er sich angeblich für die Todesstrafe einsetzt, ist mangels Quellenangabe leider nicht überprüfbar. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht ausschließen, dass es möglich ist, dass er eine solche Haltung vertritt, aber egal wie seine Meinug auch sein mag, benutzt JMS B5 nicht als Propaganda für die Todesstrafe.
In Höhls Artikel kommt's darüberhinaus noch dicker. Weiter unten wirft er JMS indirekt mehr oder weniger vor faschistische Ansichten zu vertreten und die mit seiner Serie propagieren zu wollen. Das ist eine absolut ungerechtfertigte, völlig haltlose und auch unerhörte Unterstellung. Seine Argumentation ist auch hier wieder völlig an den Haaren vorbeigezogen und zeugt von einem umfangreichen Nichtwissen, was B5 angeht. Was sich Höhl hier geleistet hat, ist wirklich ein starkes Stück.





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