Zitat Zitat von Dr.BrainFister Beitrag anzeigen
letztens machte hier eine der letzten kleinen buchhandlungen zu. die älteste. ein tradionsladen sozusagen. es gab kaum noch kundschaft. warum? weil alle wie bekloppt zu den großen fillialen wie der maierschen rennen oder im internet bestellen. egal ob sie davon einen preisvorteil haben oder nicht. und egal ob er service dabei eventuell schlechter ist. der mann, der diese nun geschlossene bücherei betrieb, war buchverkäufer aus leidenschaft. der kannte viele titel auswändig, wenn ich ihm nur ein stichwort gab. in der maierschen sind die angestellten ohne ihren pc überfordert und viel mehr können sie einem auch nicht weiterhelfen in sachen beratung. bei amazon verlässt man sich gerne auf die rezensionsen. dass diese inzwischen manchmal gekauft und manipuliert werden, steht auf einem anderen blatt...
wenn ich ein buch nicht gleich am nächsten tag brauchte und es im web nicht deutlich billiger bekam, bestellte ich es mir immer in diesem kleinen laden (der das buch übrigens auch in der regel innerhalb von 2-3 tagen erhielt). ich will mich da nicht als leuchtendes beispiel hinstellen, aber ich bin sicher nicht der einzige, für den das so möglich gewesen wäre. allerdings kam den meisten wohl ihre eigene bequemlichkeit oder konmsumgeilheit dazwischen. schließlich bietet so ein kleiner buchladen nicht die supermegabilligen wühltische wie die maiersche, bei denen man bücher mitnimmt, die man eigentlich garnicht kaufen wollte, aber sie sind ja fast geschenkt. .
Wegen der Buchpreisbindung ist es bei nicht gebrauchten Büchern auch irrelevant wo man sie bestellt.

Im Grunde ist es eine Frage wie viel Geld einem der extra Service in einem Fachgeschäft wert ist im Vergleich zu einem eher anonymen Großhandel mit weniger Service und dafür billigeren Preisen durch geringere Lohnkosten und höhere Absatzzahlen. Die allermeisten Verbraucher schauen ausschließlich auf den Preis, zum einen, weil es die kapitalistische Natur des Menschen ist Güter so billig wie möglich erhalten zu wollen, zum Anderen weil jeder bei den sinkenden Realeinkommen gerne spart, wo er kann.

Damit nimmt jeder auf seine Weise an der Umverteilung des Kapitals von unten (kleiner Buchhändler) nach oben (Großhandel wie Hugendubel) teil. Das ist das Beeindruckende an diesem System - die meisten nehmen an ihm teil, obwohl davon langfristig nur eine klitzekleine Gruppe profitiert, während alle Anderen verlieren.

Man sieht das ja an den jüngst veröffentlichten Zahlen zur Kapitalverteilung in Deutschland. 10 % der Bevölkerung besitzen rund 70 % des gesamten Volksvermögens. Die reichsten 10 % besitzen also doppelt so viel Kapital wie die restlichen 90 %.

So eine fortschreitende Umverteilung von unten nach oben geht natürlich nur so lange gut wie der Staat für ein Mindestmaß an Lebensstandard für die Ärmsten sorgen kann. So lange die Menschen nur murren, vielleicht auch mal demonstrieren gehen, aber kein Drang aufkeimt das System umzustürzen.