Genau das war der Punkt.
Absolute Zustimmung. Das war ja auch nicht *mein* Standpunkt, sondern der, den man des öfteren von Außenstehenden zu hören bekommt. Übers Kostümieren ebenso wie übers Fanfiction-Schreiben. Das Fanklischee schlechthin ist ja immer noch die Vorstellung, daß Fans alle irgendwie ein Rad ab haben. Fängt schon an bei den noch recht moderaten Vorwürfen gegen SF und Fantasy, daß es sich dabei ja um Eskapismus handele, also um eine Methode, der Realität zu entfliehen. Schon da ist zu spüren, daß für viele Leute das Interesse an diesen Genres an sich schon suspekt ist, quasi eine Vorstufe zum Wahnsinn, in dem man die Realität dann endgültig hinter sich läßt. Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein Vater früher immer furchtbar besorgt war, wenn ich zu Weihnachten oder Geburtstag ein Fantasybuch bekam. Er hat damals immer befürchtet, daß ich irgendwann komplett den Bezug zur Realität verlieren würde. Na, und wenn man dieses Interesse an SF und Fantasy dann auch noch offensiv nach außen trägt, ist für viele Außenstehende ganz schnell klar: "Der/die spinnt", d.h. "diese Person hat keinen 'normalen' Bezug zur Realität". Es mag uns nicht gefallen, und diese Leute können noch so unrecht haben, aber es ist leider so, daß diese Meinung nicht selten ist.Mir ist schon klar, wenn ich (was selten geworden ist) in meine Starfleet-Uniform schlüpfe, werd ich nicht automatisch zum Starfleet-Officer. Wenn ich mein Mittelalteroutfit anziehe, dann geh ich wohl auch nicht Drachen jagen.
Ein Kostüm dient für mich auch dazu, zu zeigen, dass ich mich mit etwas bestimmten identifiziere. Was eigentlich für jedes Outfit gilt, egal ob T-Shirt, Gothiclook oder Alien-Outfit. Oder Fussball-Schaal oder die "Farben" auf der Rocker-Lederjacke.
Mein Posting bezog sich auch nicht auf das letzte Posting, sondern auf die Diskussion an sich, die ich so ähnlich auch schon anderswo erlebt habe, und was diese Diskussion an sich - und gewisse Argumente und Tendenzen, die in ihr immer wieder auftauchen - über das Verhältnis von Fandom und "Außenwelt" aussagt.Ähm, das zentrale Thema der letzten Postings war übrigens, ob die jeweilige Person dazu passt, nicht ihr Geisteszustand, wenn sie das Kostüm trägt.![]()
Es geht, natürlich, um die ewige Frage "wie präsentieren wir uns nach außen/wie sehen uns die anderen?" - und da gibt es im Fandom traditionell immer zwei Fraktionen, natürlich wie immer mit Abstufungen - grob ausgedrückt:
1.) "Wir sollten uns so verhalten, daß die Außenwelt uns nicht als seltsam empfindet" und
2.) "Wir sollten uns so verhalten, wie wir möchten, und die Außenwelt hat sich daran zu gewöhnen".
Fraktion 1 hat oft die Maßstäbe "normalen" Verhaltens, die in der Außenwelt (ja, okay, das ist ein blödes Wort, mir fällt nur gerade nichts besseres ein) gelten, recht stark verinnerlicht - so stark, daß sie einige fannische Verhaltensweisen als peinlich wahrnimmt und in manchen Fällen sogar die Implikation von Wahnsinn in ihre Bewertung übernimmt. Als Spätankömmling im Fandom aus einem eher fanfeindlichen Elternhaus gehörte ich mal zu dieser Fraktion; ich kenne alle diese Vorurteile so gut, weil es meine waren. Lang, lang ist's her.
Fraktion 2 ist der Meinung, daß wir eine legitime Subkultur mit legitimen, eigenen kulturellen Konventionen darstellen, die in manchem von dem, was als "normal" gilt, abweichen, und daß wir dazu stehen sollten anstatt zu versuchen, uns anzupassen.
Weshalb sollten wir uns nicht besser anpassen? Zwei Gründe:
1.) Wir schaden niemandem mit unserer Exzentrizität; weshalb also sollten wir uns "normaler" verhalten? Nur unserer von außen wahrgenommenen Würde wegen? Warum? Wieso ist es wichtig, was Lieschen Müller über uns denkt? Ist es nicht sinnvoller, das fragliche Verhalten selbst - z.B. eben das Kostümtragen von dickeren Menschen - rational zu betrachten, um zu beurteilen, ob es schädlich oder tolerabel ist? Wenn ich mir also so einen "Zwölben" angucke - der mag zwar unästhetisch sein, aber wenn *das* ein Kriterium wäre, müßte man noch so einiges andere in unserer Gesellschaft, und nicht nur im Fandom, unterbinden. Und wenn er (oder sie) Spaß hat mit dem Kostüm, dann sehe ich beim besten Willen nicht, wie die vage ästhetische Störung, die manche dadurch 'erleiden' als wichtiger gewertet werden kann als dieser Spaß. Sprich, ich sehe kein rational vertretbares Argument gegen Zwölben und somit keinen Grund, mich dem "normalen" Empfinden in dieser Hinsicht zu beugen.
2.) Und wenn wir uns "normaler" verhielten: Wir wären immer noch Freaks. Wir haben eine zu große emotionale Bindung an Dinge, an die "man" keine emotionale Bindung dieser Art zu haben hat. Und wenn wir in Anzug und Krawatte (oder, für die Damen, im Business-Kostüm) und mit Aktentaschen zu unseren Cons gingen - an der Grundtatsache unseres Andersseins würde das nichts ändern. Es ist also sinnvoller, mit unserem Anderssein offensiv umzugehen, es als "normal" zu leben - denn auf diesem Wege *wird* es vielleicht irgendwann "normal". Normal ist, was als normal wahrgenommen wird, und daher wandelbar.
(Whew. Sorry. Weiß auch nicht, wo das jetzt herkam. *g*)






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