Mir hat der Film im großen und ganzen recht gut gefallen. Dem ein oder anderen Kritikpunkt von Kaff kann ich mich aber durchaus anschließen. Der Film ist in der Tat mitunter etwas unübersichtlich und die Wandlung von Protestlern zu Terroristen wird nicht wirklich nachvollziehbar, ihre Motive bleiben eher unverständlich (wobei man hier vielleicht auch die Frage stellen muss, in wieweit man das überhaupt kann). Der grund dafür dürfte nicht zuletzt darin zu suchen sein, dass eben auch jede Menge Stoff in ca 2,5 Stunden untergebracht wird/werden muss.

Der Film hastet von einer spektakulären Actionszene zur anderen. Die Aneinanderreihung von Explosionen und Shootouts ist zwar gekonnt inszeniert, und unterlegt mit einem Bourne ähnlichen Score.
Das klingt jetzt so, als habe man es hier mit einem reinrassigen Actionfilm zu tun. Das empfand ich jedoch keineswegs so. Natürlich gibt es einige Schießereien, aber die hatten ein ganz andere Wirkung als bei Filmen wie Stirb Langsam o.ä.

Von manchen Seiten wurde dem Film ja die Konzentration auf die Täter vorgeworfen. Diesen Kritikpunkt kann ich eigentlich nicht nachvollziehen. Es ist zwar richtig, dass die Opfer in dem Film keinen großen Raum einnehmen, aber ich sehe in dieser Einseitigkeit kein Problem. Man hat sich eben entschieden die Geschichte aus Sicht der Terroristen zu erzählen und dann ist das nun mal eben so. In meinen Augen ist das auch die interessantere Perspektive. Glaube auch nicht, dass ein Hin- und Herschalten zwischen Täter- und Opferperspektive funktionieren würde.

Es ist aber eben keineswegs so, und das wird wohl manchen der Kritiker gestört haben, dass die RAF-Leute die ganze Zeit über als blutrünstige Killer-Monster dargestellt werden. Stellenweise mögen sie vielleicht sogar mal mehr oder weniger sympathisch erscheinen. Glorifiziert werden ihre Taten aber keinesfalls.
Eine interessante Beobachtung, die ich bei mir gemacht habe: das Vorgehen des "Staates" hat mich mitunter mehr schockiert als die Terroristen. (Insbesondere die Niederschlagung der Demo beim Schah-Besuch) Mag vielleicht daran liegen, dass ich deren Verbrechen kannte, über die Umstände in der damaligen Zeit/Gesellschaft aber nur wenig wusste/weiß.
So hat der Film dann bei mir auch das Bedürfnis geweckt, mich mit der ganzen Sache etwas ausführlicher zu beschäftigen. Mal sehen, ob ich das schaffe...

Handwerklich gibt's an den Film nichts auszusetzen. Ist sehr hochwertig produziert. Die Schauspieler machen ihre Sache eigentlich alle recht gut. Ausfälle gibt hier keine. Am besten hat mir Johanna Wokalek gefallen.

Fazit:
Ich kann den Film weiterempfehlen. Mit Punktbewertungen tue ich mir immer recht schwer. Ich schwanke zwischen 7 und 8. Halte ich es mal mathematisch: 7,5/10