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Thema: Soziale Kälte

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  1. #1
    Forum-Aktivist Avatar von Reiner
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    Standard AW: Soziale Kälte

    Es fängt gar mit Kleinigkeiten an:

    Meine Eltern brachten mir noch bei, im Bus für eine ältere Damen aufzustehen. Wenn ich mir dabei jetzt die Jungs und Mädels anschaue ... wird gekämpft um den letzten Sitzplatz - auch gegen alte Omas. Da fängt das Ganze an. Und mit solchen "Kleinigkeiten", wie eine weniger egoistische Erziehung, kann man langsam wieder mehr bewegen. Es geht nicht um "die andere Backe hinhalten", aber es geht um etwas mehr Rücksicht statt Egoismus.

    In einem Artikel aus "Welt der Wunder" wurde verdeutlicht, das Menschen eigentlich schon von klein auf und ganz natürlich viel sozialer eingestellt sind. Würde es also keine (extemen) "egoistischen Vorbilder" geben, die zeigen dürfen das man damit einfach weiter kommt als mit "sozialerem Verhalten", würde es ein besseres Miteinander geben.

    Woher nehmen wir uns also all diese egiostischen Verhaltensweisen, wenn sie uns eigentlich nicht in die Wiege gelegt sind? Tja.

    ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
    HIER MEINE PERSOENLICHE ZUSAMMENFASSUNG DES ARTIKELS (WdW Ausgabe 5/08):

    Sind wir genetisch programmierte Egoisten?
    Lohnt sich nicht gut zu sein?



    Oftmals erleben wir heute, dass die Egoisten und der Eigennutz obsiegt. Das die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt im Wettbewerb der Wirtschaft oder Wettbewerb ums Überleben. Doch ist das immer so?

    Es beginnt oft mit Kleinigkeiten in jungen Jahren. Die Frage ob ich einfach mal ein Kaugummi aus dem Regal einstecken soll oder nicht, oft werden aus diesen ersten Entscheidungen Dinge die das Leben für später beeinflussen. Doch was bringt uns dazu?

    Es ist jedoch viel komplexer, denn nicht die Frage nach gut oder böse, richtig oder falsch bestimmt uns, sondern die Gleichheit, das dazu gehören wollen zu einer Gruppe oder Gesellschaft.

    Extremes Beispiel ist das Militär, wo beispielsweise bei Eliteeinheiten geradezu das eigene Ich ausgeschaltet werden soll, sodass man nur noch der Gruppe und dem Korps sich verpflichtet fühlt. Doch ist uns so was angeboren oder nur anerzogen?

    Babys jedenfalls bevorzugen grundsätzlich nahezu immer die hilfsbereite Person (so eine Yale-Studie). Es steckt in uns also was Gutes, lange bevor uns das bewusst ist. Warum hat aber heute meist das gute Verhalten so wenig Chancen gegenüber dem Bösen zu dominieren?

    Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt dazu: „Kein Mensch ist von Natur aus gewalttätig, sondern lernt gewalttätig zu sein. Das einzige was angelegt ist, sind archaische Notfallprogramme, Schutzreflexe wie Angriff, Flucht oder Erstarrung."

    Mit destruktiven Aggressionen haben dies Schutzmechanismen nichts zu tun, doch sie werden unter ungünstigen Bedingungen dazu entwickelt und gelernt werden. Der Mensch lernt mit der Zeit Konfliktbewältigung um seine Bedürfnisse zu befriedigen und Anerkennung zu gewinnen. Wächst jemand jedoch in einem Klima von Angst, Druck und Brutalität auf werden die archaischen Abwehrprogramme verstärkt und gar gelernt als Bewältigungsstrategie. Die Nervenzellen werden regelrecht auf Angriff programmiert und zu allem Übel schaltet sich das Belohnungszentrum ein und flutet das Gehirn mit Dopamin. Aggressionen werden belohnt wie Sex, Essen oder Drogen - Menschen werden süchtig nach Gewalt.

    Die eigentliche Frage danach ist jedoch: Lohn sich Gewalt? Die Antwort ist einfach und simpel: Kurzfristig (vermeintlich) ja, langfristig nein!

    Gewalt ist immer destruktiv und führt früher oder später zur Selbstzerstörung (wie Drogen auch). Früher oder später zerstört man oder es sich selbst - von Hass oder Missgunst geformte Staatsformen, Diktaturen, Hochstabler oder habgierige Manager. Es kommt eines Tages zur Implosion. Illegale Strategien in der Wirtschaft mögen kurzfristig erfolgreich sein, doch über kurz oder lang ist es eine tickende Zeitbombe. (Siehe aktuell SIEMENS-Korruptionsskandal, der in eine neue Runde geht und nun implodiert.)

    Unmoralische Entscheidungen machen einem mit der Zeit sogar selbst unglücklich. Es ist auffällig, das viele Elitesoldaten eines Tages psychisch krank werden.

    Ist aber wenigstens gutes Verhalten ansteckend? Antwort: Ja. Es wird sogar immer mehr.

    Korruption, Bereicherung, Fälschung - ein System indem dieses vorherrscht kollabiert früher oder später. Dies nennt man „Luzifer-Effekt".

    Gute Menschen verwandeln sich in einem Umfeld des Bösen in schlechte Menschen, doch geht es auch umgekehrt? Erneut: Ja.

    Laut neuen Umfragen der Uni Konztanz bringen Mitarbeiter in Firmen deren Führungspersönlichkeiten Wertschätzung für berufliche Leistung als auch der privaten Person gegenüber zeigen, deutlich bessere Leistungen. Das Vertrauen in das Unternehmen steigt. Gutes, faires Verhalten ist also durchaus ansteckend.


    http://weltderwunder.de.msn.com/
    Geändert von Reiner (16.10.2008 um 12:18 Uhr)
    "Glaubst Du noch, oder denkst Du schon?" Giordano Bruno / "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." Albert Einstein. /"Ich kann zwar die Bewegungen von Himmelskörpern berechnen, aber nicht die menschlichen Verrücktheiten." Sir Isaac Newton. / Das Mitlesen in diesem Beitrag ist verboten, wenn Ihr zu jung dafür seid. https://anchor.fm/reiner-krauss/

  2. #2

    Standard AW: Soziale Kälte

    Zitat Zitat von Reiner Beitrag anzeigen
    Meine Eltern brachten mir noch bei
    Bingo. "Soziale Wärme" lernt ein Mensch zuerst in der Gruppe, welche die 68er und ihre Frankfurter Schule mal als "Keimzelle des Faschismus" bezeichneten - der Familie. Die Familie steht heutzutage unter großem Druck verschiedener Faktoren - wir haben eine oftmals volle Erwerbstätigkeit beider Elternteile und entsprechend wenig Zeit, Interesse und Aufsicht welche in die Kinder investiert werden. Diese werden häufig den halben Tag sich selbst, oder schlecht ausgebildeten "Nannies" und überfüllten Kinderkrippen überlassen. Eine "Nestwärme" innerhalb der Kinder ihr Urvertrauen bewahren und grundlegende soziale Fähigkeiten erlernen, gibt es so immer weniger - und andere gesellschaftliche Institutionen waren bisher nicht in der Lage, diese Art Wärme und Gemeinschaftsgefühl zu ersetzen.

    Selbstverständlich ist eine (intakte) Familie kein Garant für Wärme, und die Abwesenheit familiärer Bindungen macht das Entwickeln von Sozialkompetenz und Mitgefühl nicht unmöglich - aber eben merklich schwieriger. So genügt ein Blick in die Kriminalstatistiken, um zu erkennen, dass beispielsweise Kinder alleinerziehender Mütter (und derer gibt es mehrere Millionen) ein drastisch erhöhtes Risiko haben, später in die Kriminalität abzugleiten. Sie sind schlechter gebildet, haben schlechtere Sozialkompetenz, sind häufiger verhaltensauffällig oder leiden an psychischen Krankheiten, als Kinder die in einem funktionierenden Familienverbund aufwachsen.

    Dies ist also eine Möglichkeit, welche die subjektive Sichtweite des Zunehmens sozialer Kälter zu erklären vermag. Ich betone - es ist sicher nicht die einzige Erklärung.

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