Zitat Zitat von Reiner Beitrag anzeigen
Meine Eltern brachten mir noch bei
Bingo. "Soziale Wärme" lernt ein Mensch zuerst in der Gruppe, welche die 68er und ihre Frankfurter Schule mal als "Keimzelle des Faschismus" bezeichneten - der Familie. Die Familie steht heutzutage unter großem Druck verschiedener Faktoren - wir haben eine oftmals volle Erwerbstätigkeit beider Elternteile und entsprechend wenig Zeit, Interesse und Aufsicht welche in die Kinder investiert werden. Diese werden häufig den halben Tag sich selbst, oder schlecht ausgebildeten "Nannies" und überfüllten Kinderkrippen überlassen. Eine "Nestwärme" innerhalb der Kinder ihr Urvertrauen bewahren und grundlegende soziale Fähigkeiten erlernen, gibt es so immer weniger - und andere gesellschaftliche Institutionen waren bisher nicht in der Lage, diese Art Wärme und Gemeinschaftsgefühl zu ersetzen.

Selbstverständlich ist eine (intakte) Familie kein Garant für Wärme, und die Abwesenheit familiärer Bindungen macht das Entwickeln von Sozialkompetenz und Mitgefühl nicht unmöglich - aber eben merklich schwieriger. So genügt ein Blick in die Kriminalstatistiken, um zu erkennen, dass beispielsweise Kinder alleinerziehender Mütter (und derer gibt es mehrere Millionen) ein drastisch erhöhtes Risiko haben, später in die Kriminalität abzugleiten. Sie sind schlechter gebildet, haben schlechtere Sozialkompetenz, sind häufiger verhaltensauffällig oder leiden an psychischen Krankheiten, als Kinder die in einem funktionierenden Familienverbund aufwachsen.

Dies ist also eine Möglichkeit, welche die subjektive Sichtweite des Zunehmens sozialer Kälter zu erklären vermag. Ich betone - es ist sicher nicht die einzige Erklärung.