Review auf fictionBOX

Wie schon zu Beginn der 2. Staffel konzentriert man sich auch bei der ersten Folge der neuen Season auf die Erlebnisse einer Gruppe von Überlebenden – in diesem Fall Jack, Kate und Sawyer, die von den Anderen gefangen genommen wurden – während wir von der Gruppe am Strand nicht das Geringste erfahren. Und auch wenn dieser Trick nicht mehr ganz neu ist, verfehlt er nicht gänzlich seine Wirkung, bin ich doch auf die nächste Folge schon wieder sehr gespannt. Doch auch "Die zwei Städte" konnte mich voll und ganz überzeugen. Vor allem der Einstieg war genial und sehr geheimnisvoll: Da sitzen Leute bei einer Buchrunde – was hat das nur mit Lost zu tun? Und dann auf einmal die Erkenntnis: das sind die Anderen, und wir erleben sie just an dem Tag, als das Flugzeug über der Insel abstürzte. Ihre Siedlung stellt sich hier auch etwas anders dar als zuletzt: Ein kleines, gemütliches aber durchaus modern anmutendes Dorf – und keinesfalls eine rückständige Siedlung, wie sie die Überlebenden des Fluges 815 glauben lassen wollten.

Aufgelockert wurde das Geschehen durch die eher amüsante Handlung rund um Sawyer im Bärenkäfig, während Kate's neues Kleid wohl eher für die männlichen Zuseher gedacht war. Interessant auch andere, kleinere Andeutungen während der Episode, wie z.B. die Erwähnung eines Bären (Eisbär?) und den Hinweisen, dass diese Dharma-Station etwas mit Tieren zu tun hatte. Jack wird in einer Unterwasser-Station gefangen gehalten, in einem Raum, der früher als Aquarium gedient hat – womit der Auftritt des "Dharma"-Hai's aus "Treibholz" geklärt sein dürfte, und sich auch für das Auftauchen der Eisbären auf der Insel zum ersten Mal eine plausible Erklärung finden lässt. Im Gegensatz zu einigen anderen Jack-Rückblenden waren jene aus "Die zwei Städte" sogar ziemlich interessant – und passten zudem sehr gut zu den aktuellen Ereignissen, ging es doch in beiden Handlungsebenen um Jacks Sturheit. Seine Obsession mit dem Namen des Freundes seiner Ex-Frau hat einmal einen anderen, deutlich düsteren und irrationaleren Jack gezeigt, dem man auch einen gewissen Hang zur Paranoia attestieren muss. Erschreckend, wie er beim Treffen seines Vaters auftaucht, ihm haltlose Vorwürfe macht (hier hätte es übrigens geholfen wenn man uns nicht schon zu Beginn der Episode ihren neuen Lover gezeigt hat, denn so war Jack’s Verdacht absolut nicht nachvollziehbar) und ihn damit erst recht wieder zur Flasche treibt. Erst am Ende der Episode scheint es ihm endlich zu gelingen, los- und diese Frage ruhen zu lassen, will er doch einfach nur wissen, ob Sarah glücklich ist.

Besonders interessant an dieser Folge war natürlich das Psychoduell zwischen Jack und Juliet - wobei ich, nichts gegen Sie, hoffe, dass Jack schon bald zur "Chefsache" erklärt wird und wir ein paar knackige Dialoge mit Ben bekommen werden. So war für mich nicht zuletzt dank Michael Emerson's herrlich bedrohlicher Performance seine gemeinsame Szene mit Kate eines der absoluten Highlights der Folge. Spannend auch die Frage, ob die Anderen wirklich all diese Aufzeichnungen über Jack's Leben haben, oder ob sie diese Informationen einfach durch das Ausspionieren der Überlebenden bekommen haben und Juliet ihn bewusst angelogen hat, um ihn zu brechen. Spannend könnte es auch rund um Juliet und Ben werden. Auch wenn die letzte Szene zeigt, dass sie nach wie vor zusammenarbeiten, war die Anspannung zwischen den beiden fast zu spüren. Alles in allem eine runde, spannende und sehr interessante Episode.

Fazit: Mit "Die zwei Städte" hat es Lost wieder einmal perfekt verstanden, mein Interesse zu wecken, und genau die richtige Dosierung aus Antworten und neuen Fragen zu finden. Ein sehr guter, vielversprechender Start in die 3. Staffel der Mystery-Serie!
8/10


Zitat Zitat von Teylen Beitrag anzeigen
Überhaupt hielt ich es zu Beginn für eine Rückblende.
War es ja auch

Zitat Zitat von Teylen Beitrag anzeigen
Das King Buch des Anstoßes war "Carrie". Wenn ich mich recht erinnere, ging es da um eine Autorin die von einem Fan gezwungen wird, ihren Roman weiter bzw. das Ende zu schreiben.
Ganz falsch. Der Roman, den du meinst, ist "Misery" (wobei du auch noch beide Hauptprotagonisten einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hast ), Carrie ist das mit der 16-jährigen die beim Einsetzen der Pubertät auch übersinnliche Kräfte entwickelt, und sich an ihren Mitschülerinnen und -schülern für die zahlreichen Demütigungen rächt -> Klick. Wurde in der Verfilmung von Sissy Spacek dargestellt, wenn das deinem Gedächtnis auf die Sprünge hilft