Mir fällt auf dass die amerikanischen Inflationsraten erheblich über den Deutschen liegen. In den letzten 10 Jahren dieser Statistik sind das 25,6 % Inflation in den USA, aber nur 8,5 % in Deutschland - exakt das Dreifache.
Dir sollte auffallen, dass die box office Mojo-Berechnungen sich auf die Inflationsraten von Kinokarten in den USA beziehen, und nicht auf die Inflationsrate in einer Volkswirtschaft, welche aus dem Durchschnitt eines mehr oder minder repräsentativen Warenkorbs berechnet wird. Wenn eine Kinokarte in den USA heute 60 % teurer ist als zu Zeiten von Titanic, ist dieser Preisanstieg doppelt so hoch wie die Inflationsrate der amerikanischen Volkswirtschaft.
Die Teuerungsrate der Eintrittskarten in den USA beträgt also im Schnitt ziemlich exakt 4 % pro Jahr.
In Österreich gab es dagegen zum Beispiel in den letzten drei Jahren keine Teuerung bei den Kartenpreisen, diese stagnierten bei 6.60 Euro:
http://www.filmwirtschaftsbericht.at...wertung/kinos/
Im selben Zeitraum wurden Karten in den USA um 12% teurer.
Ich würde mal vermuten dass die Situation der Kartenpreise in Deutschland ähnlich der Österreichs ist, aber über Google lassen sich kaum Daten finden.
Hier hat ein deutscher User mal seinen durchschnittlichen Kinokartenpreis für die das Jahr 2001 angegeben.
http://forum.de.selfhtml.org/archiv/2007/7/t157281/Meine Statistik für das Jahr 2001 sieht folgendermaßen aus:
37 Kinobesuche, Durchschnittspreis 11,71 DM = 5,99 EUR.
Bei 40 Kinobesuchen in diesem Jahr dürfte der Preis halbwegs repräsentativ dahingehend sein, dass kein Anstieg stattfand. Ist auch meine Beobachtung. 2006 hatte der User sogar einen Rückgang des Durchschnittspreises auf 5,46 Euro verzeichnet.
Für Gesamtdeutschland wird 2009 Folgendes angegeben:
http://www.brandeins.de/archiv/magaz...-zahlen-5.htmlDurchschnittspreis für eine Kinokarte in Deutschland in Euro 6,14
Vor 30 Jahren kostete eine Kinokarte offenbar so viel:
http://wirtschaft.t-online.de/inflat...15944100/indexSo wären einige Kollegen bereit gewesen, 1980 für eine Kinokarte bis zu 6 Euro zu zahlen, obwohl sie nur 3,31 Euro kostete
In diesen 30 Jahren stieg der Kartenpreis also von 3,31 Euro auf 6,14 Euro, was einer Inflation von 85 % entspräche. Insbesondere in den letzten Jahren stagnierten die Kinopreise, während sie über dem Teich weiterhin kräftig anzogen. In den USA stiegen die Preise von 2,69 $ im Jahr 1980 auf 7,46 $, was einer Inflation von 178 % entspricht. In 30 Jahren stiegen die Kartenpreise in den USA also doppelt so schnell als in Deutschland.
Aus diesen Zahlen lassen sich folgende Schlüsse ableiten:
- Die amerikanische Kinokartenverteuerung ist extrem hoch. Sie ist doppelt so hoch wie die Inflationsrate der USA. Sie ist doppelt so hoch wie die Kinokartenverteuerung in Deutschland, wobei selbige in der letzten Dekade sogar eher stagnierte. Ein Umlegen der extrem hohen amerikanischen Kinokartenverteuerung auf den Rest der Welt ist somit unsinnig, alleine zu einem der wichtigsten Auslandsmärkte wie Deutschland bestehen beträchtliche Unterschiede.
- Seit Titanic verteuerten sich die amerikanischen Kinokarten um 60 %, bzw. 4 % pro Jahr. Die Inflationsrate betrug in diesem Zeitraum ca. 30 % oder 2 % pro Jahr. Das Wirtschaftswachstum betrug 1,8 % pro Jahr. Inflationsbereinigt verteuern sich Kinokarten in den USA also jedes Jahr um über 2 Prozent, d.h. inflationsbereinigt ist eine Kinokarte Heute für den Amerikaner 30 % teurer als sie es zu Zeiten von Titanic war.
Fazit: Der Kinoerfolg von Titanic lässt sich mit dem eines aktuellen Films schon alleine deshalb nicht mehr vergleichen, weil der Amerikaner Heute erheblich tiefer in die Kasse greifen muss für die Kinokarte. Das verringert vor Allem die Zahl derjenigen, die es sich leisten können mehrmals in einen solchen Film zu gehen. Gerade bei Titanic machten diese Vielfachgeher einen großen Teil des Umsatzes aus, mein Bruder war z.B. seinerzeit nicht weniger als sieben Mal mit diversen Freundinnen in diesem Streifen.Selbige Mehrfachbesucher warten dann Heute eher auf die DVD oder Blu Rays, welche es damals noch nicht gab.
Ich erläutere das an dieser Stelle mal so ausführlich, weil es mich nervt wenn jemand von irgendwoher ein paar Statistiken zaubert, ohne diese in einen nachvollziehbaren Kontext zu setzen. Mit Statistiken wird viel Unsinn getrieben, Kinoeinspielergebnisse sind da noch ein banales Feld.
Die Hochrechnung der WELT, welcher Teylen und nevermore gutgläubig folgen, lässt sich bereits durch ein wenig Recherche zerpflücken.
Mehr ist zu diesem Nerdthema von meiner Seite nicht zu sagen.






Selbige Mehrfachbesucher warten dann Heute eher auf die DVD oder Blu Rays, welche es damals noch nicht gab.
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