@bademeister
du überschätzt die kraft bzw. den protestmut von 38.000 menschen. das ist keine so große anzahl. gerade mal eine kleinstadt.

im laufe der serie wurden schon die unterschiedlichsten konstellationen von rebellion, bürgerkriegsähnlichen szenarien und putschversuchen durchgespielt. das ermüdet und desilliusioniert. für sowas braucht es auch führungspersönlichkeiten, die es koordinieren und die massen mobilisieren. von solchen persönlichkeiten gibt es nicht viele. was meinst du, warum so viele kleinstädte träge vor sich hin trotten? ich kenn das aus eigener erfahrung, weil ich in einer solchen region aufgewachsen bin. dort schimpft man lieber jahrzehntelang auf den bösen staat und wartet auf die starke regulierende hand anstatt selbst den arsch hochzukriegen.
in so einem krisengebeutelten grüppchen kann die sehnsucht nach dieser starken hand viel größer sein als sie das in einem ausdifferenzierten land mit über 50.000.000 einwohnern ist.

außerdem wurde doch offen gelassen wie die leute damit umgehen. man sah nur die ersten momente dieses neuanfangs. bsg machte kein statement dazu, ob das funktioniert hat oder nicht. letztlich war der frühe tot von hera sogar ein recht klarer hinweis auf die nebenwirkungen dieser entscheidung. hinzu kommt, dass die beiden head-figuren am schluss feststellen, dass auch die neue erde überwiegend von dekadenz und profitgier geprägt ist. also gibt es keine lilalaune-lösung in dem sinne "die bsg-crew hat den neanderthalern den friedlicheren, selbstloseren lifestyle gelehrt." das wäre romantisiertes heilewelt-gesülze gewesen.

das, was du, lieber bademeister, verlangst, ist die präsentation eines komplexen utopischen gebildes, die im tv- oder kinoformat einfach schwer umsetzbar ist. allein um sowas einigermaßen nachvollziehbar zu konstruieren, hätte es eine ganze staffel oder mehr gebraucht. andererseits hätte man dann schon früher auf der neuen erde landen müssen, was dann ein bisschen "new caprica"-deja-vú-gefühle ausgelöst und wieder unzufriedenheit hinterlassen hätte. damit wäre außerdem der big bang, den so ein finale in der regel braucht, verloren gegangen (hier die entdeckung, dass es noch eine zweite erde gibt und die konsequenzen daraus).

der vergleich zu den büchern von lem, assimov & co. macht durchaus sinn, was deine ansprüche betrifft. denn meiner meinung nach kann man nur in dieser literarischen form das darstellen, was du dir wünschst. dafür haben die leser dann auch die entsprechende geduld. der großteil des tv-publikums will aber schneller und unkomplizierter unterhalten werden. galactica schaffte sowieso schon vieles, was man auf dem tv-bildschirm ansonsten selten oder gar nicht sieht (bei unterhaltungsserien), aber dieser schritt wäre dann doch einer zu viel gewesen und ich kann mir nicht vorstellen, dass der scifi channel da dauerhaft mitgespielt hätte.


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