Zitat Zitat von tubbacco Beitrag anzeigen
Das ist aus meiner Sicht Schade. Hat die erste Staffel noch mutig neues Terrain betreten und hat sich gegen gängige Genrekonventionen gestellt, den üblichen Fantasy-Tropes entsagt, sowie ein paar Regeln für TV-Serien kräftig durcheinandergewirbelt, scheint man nun nicht mutig genug zu sein, die nächsten Schritte zu gehen.
Es ist ohne kenntnis des Buches schwer bis unmöglich, da dagegen zu argumentieren, aber... ich persönlich kann diesen Vorwurf absolut nicht verstehen, und sehe nicht, wie GoT nun da es ein Publikumsphänomen ist plötzlich der Mut verlassen würde. Im Staffelfinale hat eine der sympathischsten und beliebtesten Figuren Doppelmord begangen. Den ersten aus reiner Eifersucht (und ok, ev. ein bisschen zum Selbstschutz), den zweiten absolut kaltblütig und ohne jegliche Not. Gleiches gilt für Arya, ebenfalls große Sympathieträgerin, und hier wendet sie sich vom Hound ab und lässt ihn elendig krepieren als ihn von seinem Leid zu erlören. Mangelnder Mut? Mainstream? Sorry, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Aber wie gesagt, ist natürlich ohne Kenntnis des Buchs auch schwer.

Das die Motivation seinen Vater aufzusuchen für die Serie geändert wurde, ist nachvollziehbar, denn an die Tysha-Geschichte aus der ersten Staffel erinnert sich kein Zuschauer mehr,
An das habe ich in der Tat keine Erinnerung mehr. Magst du mich aufklären? *liebschau*

denke nicht, dass ihn seine Taten aus dieser Folge langfristig so mitnehmen und ihn für den Rest der Serie so zeichnen wie im Buch und dass er in der Serie höchstwahrscheinlich schon nach kurzer Zeit wieder mehr oder weniger der Alte ist,
Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber selbst wenn ist das IMHO nichts, dass man der Serie jetzt schon vorwerfen kann, immerhin ist es nur deine Befürchtung, und noch keine unumstößliche Tatsache .

In der 2. und 3. Staffel sah es aufrichtig danach aus, dass sie ihn geliebt hat. Da schnippt man nicht aus dem Bett, greift zum Messer und versucht sich gegen seinen ehemaligen Liebhaber zu erwehren, der gar keine Waffe mitgebracht hat und in dem Moment eher vertattert ist als das er sie bedroht.
Oh, ich denke auch, dass sie ihn geliebt hat, aber - unabhängig davon ob man es nachvollziehen kann oder nicht (ich kann es z.B. nicht, und halte ihr entsprechenden Gefühle ja für dämlich, wie ich schon mehrmals zum Ausdruck gebracht habe) - war sie von ihm ungemein enttäuscht, als er Sansa zu seiner Frau gemacht hat, und dann überhaupt nichts mehr von ihr wissen wollte. Wir wissen, dass er sie nur beschützen wollte - aus ihrer Sich that er sie verraten udn verstoßen. Unter diesem Gesichtspunkt halte ich es für verständlich, dass sie die Chance, sich hochzuschlafen, genutzt hat. Und ganz ehrlich: Wenn ich gegen Tyrion ausgesagt, ihn derart vor Gericht fertig gemacht hätte und er dann mit enttäuscht-entsetzt-hasserfülltem Blick vor mir gestanden wäre, hätte ich auch lieber das Messer gezückt .

Im übrigen habe ich im Zuge einiger Kritiken zum Finale das von Lady Stoneheart gehört (das sollte eigentlich vage genug sein, um nicht als Spoiler zu gelten), und bin eigentlich sehr froh, dass die nicht vor kam - und hoffe, das bleibt auch so (und B&W finden für welche narrative Funktion sie bei GRRMs Erzählung auch erfüllen soll eine andere Lösung).

Die Episode selbst fand ich jedenfalls phantastisch, wenn ich mich auch hier wieder mit der absoluten Höchstwertung etwas ziere; ich muss einfach Blackwater nochmal schauen und checken, ob die wirklich über allen anderen GoT-Folgen steht wie ich das in Erinnerung habe, oder ob ich sie romantisch verkläre. Aber ich bin halt vorsichtig, eine andere Folge auf die gleiche Stufe zu stellen. Dennoch bot "The Children" im wahrsten und in allen Sinnen des Wortes phantastische Unterhaltung. Zu Beginn bei der Verhandlung zwischen Jon Snow und Mance Rider haben wir endlich erfahren, worum es den Wildlingen denn eigentlich geht (ob es dann die beste Methode war Bauern und Zivilisten jenseits der Mauer abzuschlachten sei dahingestellt), und ihren Wunsch fand ich nachvollziehbar. Ob ein Frieden an dieser Stelle wirklich in greifbarer Nähe war, kann und will ich allerdings nicht beantworten; irgendwie fällt es mir schwer zu glauben, dass sich überlebenden Mitglieder der Nachtwache einer solchen Vereinbarung zugestimmt hätten. Aber dann reitet ohnehin Stannis Baratheon ein und comes to the rescue. Für mich einer der Höhepunkte, einfach weil ich mich die ganze Staffel gefragt habe, was aus seiner Erkenntnis am Ende von S3 passiert ist. Nun wird deutlich, dass er die Armee nicht etwa gebraucht hat, um noch einmal gegen die Lannisters ins Feld zu ziehen, sondern um die Mauer zu beschützen. Sehr schön und berührend fand ich auch die Feuerbestattung von Ygritte. Für mich Kit Haringtons beste Leistung bisher, in dieser Szene.

Auch die Story rund um Bran findet nachdem er vor einer gefühlten Ewigkeit (tatsächlich Anfang S3, wenn ich mich nicht irre?) aufgebrochen ist (und Visionen des dreiäugigen Rabens hat er ja schon seit Anfang S1) einen vorläufigen gefälligen Abschluss. Die Szene im Eis mit den Skeletten war einfach nur phantastisch. Eine geniale Mischung aus Harryhausen und moderner CGI-Arbeit, und wohl die beste, überzeugenste Skelettarmee der Film- und Fernsehgeschichte. Verdammt gut getrickst, und generell aufgrund der Tatsache, dass man sich - mit Ausnahme von Bran - nciht sicher sein konnte, wer den Angriff überlebt, mordsspannend. Schön fand ich auch die Offenbarung, dass Brans Begleiter genau wusste, worauf er sich einlässt, und was ihn erwartet, wenn sie ihr Ziel erreichen. Das lässt seinen Tod rückwirkend noch um einiges heldenhafter erscheinen. AUch alles im Baum fand ich faszinierend. Die "Children", den alten Mann. Hier gabs im Internet ja teilweise wieder kritische Stimmen, denen das Pendel wieder etwas zu sehr Richtung Fantasy ausschlug, aber Game of Thrones ist halt nun mal eine Fantasy-Serie, und keine historische Dokumentation

Die Geschichte in Meereen nimmt auch eine tragische Wendung. Zuerst muss Daenerys erfahren, dass niht alle befreite Sklaven über ihren neuen Status glücklich sind. Zwar bleiben sie vorerst noch freie Menschen, die einen "Vertrag" abschließen, aber ihr Berater warnt sie, dass damit nur der Weg in die nächste Sklaverei gebahnt wird. Wirklich schlimm wird es allerdings, als ein Vater die Überreste seines kleinen Mädchens zu ihr bringt - verbrannt von einem ihrer Drachen. Da lief es mir wirklich kalt den Rücken runter. In Wahrheit hat man es ja mit der Schaf-Szene schon angedeutet, dennoch ein schockierender, nachhallender Moment. Und so sieht sich just Dany, die Brecherin der Ketten, dazu gezwungen, ihre beiden Kinder anzuketten und einzusperren (während vom eigentlichen Überltäter noch jede Spur fehlt).

Und dann die - von einigen im Forum ja schon erwartete, oder soll ich sagen befürchtete? - Zusammenkunft von Brienne und Podrick mit Arya und Sandor. Aufgrund des emotionalen Gewichst für mich die beste Kampfszene der Staffel (wenn nicht gar der kompletten Serie). Ja, der Berg gegen die Viper war auch spannend und emotional aufgeladen, aber in erster Linie wegen Tyrions Schicksal, dass daran hing. Was ich bei diesem Duell so faszinierend fand ist, dass ich eigentlich wollte, dass es BEIDE überleben. Ich wollte nicht, dass die sich bekämpfen und einer von ihnen ins Gras beißt. Zugleich war ich mir bei dieser Szene völlig unsicher, wen es denn noch erwischen würde (oder ob gar beide draufgehen, ähnlich wie bei Mountain <-> Viper), was das Duell zur spannendsten Szene gemacht hat, die ich eine Weile im TV gesehen habe. Einzig die Inszenierung war wieder mal scheiße. Da sollte Alex Graves noch ein bsischen üben. Völlig zerschnitten, der Kampf. Mein einziger Kritikpunkt an diesem Finale. Der hohe Spannungsgrad des Duells machte dieses Manko für mich aber ansatzweise wieder wett. Letztendlich zieht Sandor den kürzeren. Seine letzte Szene mit Arya war absolut perfekt, udn ein weiterer absoluter Höhepunkt der Folge - und der Staffel. Auch hier war ich mir bis zuletzt nicht sicher, ob sie ihn persönlich töten oder ihn einfach liegen lassen würde. Letztendlich raubt sie ihm sein Geld, und kehrt ihm den Rücken. Sein letzter Wunsch - den er einige Episoden zuvor noch einem Mann in ähnlicher Situation gewährt hat - bleibt unerfüllt.

Und dann ist da noch alles in Kings Landing. Witzig finde ich ja, dass die Episode am Vatertag ausgestrahlt wurde, das entbehrt nicht einem gewissen schwarzen Humor . Zuerst trotzt Cersei offen ihrem Vater, und weigert sich, dessen Wunschehe zu vollziehen. Sie lehnt sich auf, spielt die Inzest-Karte (und Tywin erweckt hier wirklich den Eindruck, als hätte er alld iesen Gerüchten nie glauben geschenkt, und hätte dies nicht einfach immer nur zum Schutz seiner Familie und ihres Einflusses gesagt), und lehnt sich mit diesem Ass im Ärmel erfolgreich gegen ihn auf. Im Rausch des Erfolges besucht sie Jaime und lässt ihrer Liebe zu ihm freien Lauf - so quasi in richtung: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs völlig ungeniert. Wenn eh schon alle in Kings Landing davon überzeugt sind, dass Jaime und Cersei Inzest begehen, ist es letztendlich auch egal, ob sie dabei erwischt werden oder nicht. Am Ende gibt es dann doch noch unerwartet Rettung für Tyrion, dessen Schicksal ich nachdem die Viper gegen den Berg verloren hat schon besiegelt sah. Nach Cersei begehrt nun auch Jaime gegen seinen Vater - und seine geliebte Schwester - auf, und verhilft ihm zur Flucht. Auch Varys ist daran beteiligt - und macht damit (nach seiner erschütternden Aussage beim Prozess) sein Versprechen, dass einige in King's Landing nicht vergessen werden, dass die Stadt ohne seinen Einsatz bei der Schlacht von Blackwater gefallen werden, ein. Generell war das eine Episode, in der viele frühere Ereignisse aufgegriffen wurden, was dem ganzen wirklich das Gefühl eines vorläufigen Abschlusses verpasst hat.

Kurzzeitig freut man sich mit Tyrion, dass dieser nun also doch mit heiler Haut davonzukommen scheint - doch seine weiteren Taten verleihen diesem Triumph den Geschmack von Asche. Als er Shae im Zimmer seines Vaters sieht, ist ihr Verrat - nach ihrer vernichtenden Aussage beim Prozess - endgültig komplett. Er sieht rot, und bringt sie auf brutale Art udn Weise um. Wow, was für eine Szene. Und anstatt sich wenigstens danach aus dem Palast hinauszuschleichen schnappt er sich Joffreys Armbrust und stellt seinen Vatera uf der Toilette. Ich denke, als er zu ihm ging hatte er noch nicht unbedingt vor, ihn zu töten. Er wusste wohl selbst nicht, was genau er sich von dieser Begegnung verspricht. Aber er konnte nicht einfach so gehen, ohne Tywin noch ein letztes Mal zu begegnen und ihm seine Flucht unter die Nase zu reiben. "Du wolltest mich umbringen. Du hast versagt." Ob man Tywins Feststellung, er hätte Tyrion nie ermorden lassen, nun glauben will oder nicht, ist wohl jedem Zuschauer selbst überlassen. Ich bin davon überzeugt: Das wwar eine glatte Lüge, mit der er seine Schlinge aus dem Kopf bekommen wollte. Letztendlich wird ihm aber sein großes Mundwerk und sein mangelnder Respekt sowie die Tatsache, dass er Tyrion unterschätzt, zu seinem Verhängnis, als Tyrion sein Versprechen, beim nächsten Mal wenn er Shae als Hure bezeichnet, abzudrücken. Erneut: Was für eine Szene. Keine Ahnung, wie es im Buch ist, aber ich war mit der Darstellung in der Folge voll und ganz zufrieden.

Varys kommt seine Hilfe bei Tyrions Flucht teuer zu stehen. Wäre Tyrion nur geflohen hätte er dies wohl unbeschadet überstehen können, ohne etwas an Macht und Einfluss zu verlieren. Doch sobald er Tyrion sieht weiß er, dass etwas schlimmes vorgefallen ist - und sobald er die Totenglocken hört ist ihm klar, dass er ein toter Mann wäre, wenn er nach Kings Landing zurückkehrt. Damit ist nun auch er zur Flucht verdammt. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt wohin es die beiden verschlagen wird. Eventuell nach Braavos? Dorthin ist ja Arya unterwegs. In einer phantastischen letzten Szene, musikalisch perfekt untermalt mit einer epischen Version des Hauptthemas (ich freu mich jetzt schon auf die Score-CD zu Season 4; und wehe, das Stück ist da nicht drauf!), kauft sich Arya mit der Münze von Jaqen H'ghar die Überfahrt (wieder so ein Punkt, wo etwas aus eine früheren Episode/Staffel aufgegriffen wurde) und flüchtet aus Westeros, wo sie nichts mehr hält. Ein tolles Finale der meines Erachtens bisher besten Staffel der Serie; die nächsten 10 Monate können gar nicht schnell genug vergehen!
9.5/10