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Thema: Avatar (James Cameron)

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  1. #11

    Standard AW: Avatar (James Cameron)

    'Süß'? Nee, das nun wirklich nicht. Überhaupt nicht mein Typ. (Hey, I'm a Na'vi-Norm girl, das weißt Du doch! *g*) Aber ich hatte bei ihm - und das schreibe ich eben Ribisis Spiel zu - das Gefühl, daß da was anderes hinter der Fassade war. Was weitaus nicht bei jedem, der Böses tut, der Fall ist.

    Wohlgemerkt, daß ich ihn nicht 'Bösewicht' nenne und ihn als Charakter in einem Film 'interessant' finde, heißt nicht, daß ich ihn *nett* finde, oder das was er tut für in irgendeiner Weise richtig oder auch nur verteidigbar halte.

    Aber 'Bösewicht' ist für mich halt tatsächlich eher so ein Schnurrbartzwirbelundböselach-Wort, und daher für einen differenzierteren Antagonisten wie Selfridge nicht geeignet. Jedenfalls nicht ohne - mindestens gedachte - Anführungszeichen.

    Ich denke übrigens, daß es in der Realität ebenso wie im Film einerseits Leute gibt, die Falsches tun, weil sie es sich nicht erlauben, vom Richtigen auch nur zu träumen, und andererseits solche, die einfach wirklich keinen moralischen Kompaß (mehr) haben. So gesehen kann ich mir durchaus vorstellen, daß es solche Leute - also welche, die das Potential hätten, auch das Richtige statt des Falschen zu tun - auch unter den Verursachern der Bankenkrise gibt. Herrje, es gab sie vermutlich sogar unter den Nazis. Das Richtige tun ist manchmal nämlich auch eine Frage der Stärke. Zum Hinterfragen und zum Träumen (= Vorstellen von Alternativen) gehört eine ganz bestimmte Art von Stärke. Wenn das Falsche einen ein ganzes Leben lang rundum umgibt und ganz allgemein als die "Wahrheit" über die Welt betrachtet wird, haben nur relativ wenige Menschen die Kraft/den Mut, sich dagegen aufzulehnen.

    Was auch selbstverständlich sein sollte, aber vielleicht trotzdem noch eine Erwähnung verdient: *Natürlich* bedeutet das nicht, daß all diese Leute, die aus Schwäche Böses tun, dadurch irgendwie entschuldigt und von ihrer Verantwortung freigesprochen sind.

    PS: Find's übrigens echt... verblüffend, daß Du meine Zeilen über Selfridge implizit als "schnuckliges Jungchen" etc. gelesen hast. Was für eine Brille braucht man denn, um das darin zu sehen? ;-)

    ETA: Ich denke, worauf ich hinauswollte ist a) ich finde 'böse' ein relativ unproduktives Wort, wenn man über *Menschen* spricht; b) Taten können und sollten böse genannt werden, wenn sie es sind. Und c) - wir sprechen hier über einen Film, oder? Und *im Film* finde ich einen 'Bösewicht' mit spürbarer Restmenschlichkeit einfach interessanter als einen, der nur seinen Schnurrbart zwirbelt und manisch lacht.

    ETA2: Ich denke, ich finde solche Charaktere interessanter zu beobachten als den stereotypen Bösewicht-der-keine-Anführungszeichen-braucht, weil ich daran glaube, daß alle Menschen potentiell Gutes wie Böses tun können, und es mich daher interessiert, unter welchen (äußeren ebenso wie charakterlichen/psychologischen) Umständen dann im konkreten Fall eher das eine als das andere gewählt wird. Und vor diesem gedanklichen Hintergrund fand ich Selfridge - gerade in einem Film, der ansonsten eher mit weniger differenzierten Figuren aufwartete - überraschend interessant als eine Studie (okay, das Wort ist ein wenig zu hoch gegriffen, aber er ist jedenfalls mehr als ein Abziehbild) eines Menschen, der - m.E. - sich vermutlich schon früh einer bestimmten Weltsicht ergeben hat, ohne moralisch wirklich hundertprozentig hinter dieser zu stehen. Für mich war er ein Extremresultat des auch hier und heute weitgehend als gemeingültig akzeptierten Wirtschaft-über-Alles-Denkens und damit in gewisser Weise ein Symbol für uns alle, die wir uns irgendwie in ein zerstörerisches System fügen, ohne uns dabei wohl zu fühlen, aber eben auch, ohne aus diesem Unwohlsein irgendwelche Konsequenzen jenseits des gelegentlichen zynischen Spruchs zu ziehen.

    ETA3: Mit 'die wir uns ... in ein zerstörerisches System fügen' meine ich z.B., daß wir ja doch (fast) alle irgendwie arbeiten gehen, und einkaufen gehen, und unser Geld zur Bank tragen usw. usf., und dabei doch irgendwie wissen, daß für die Rohstoffe unserer tollen neuen Handys, die die Telefonanbieter uns im Halbjahrestakt hinterherschmeißen, in Afrika Massaker verübt werden, und für unser Klopapier und unsere Kosmetika und unsere Süßwaren etc. die letzten Urwälder der Welt abgeholzt werden usw. usf. Wir sind ja nicht unschuldig, nur weil die Tatorte weit weg sind und wir nicht direkt den Befehl geben. Wir sagen uns, daß man dieses Spiel eben mitspielen muß, weil man ja überleben möchte und vielleicht noch ein bißchen Bequemlichkeit haben möchte, und einen gelegentlichen Urlaub, und vielleicht dann auch noch ein bißchen Absicherung fürs Alter... und so weiter. Sind Leute wie Parker Selfridge noch ein bißchen schuldiger als wir? Ja, sicher. Aber was bringt es uns, 'ein bißchen weniger schuldig' zu sein?
    Geändert von Hmpf (22.01.2010 um 03:34 Uhr) Grund: edited for clarity

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