Ich habe nur bis hierhin gelesen:
Ich weiß nicht welche geistigen Dünnbrettbohrer bei WELT als Redakteure ihren Dienst tun (da dieses Käsblatt zum Springer-Konzern gehört ist meine Frage als rhetorisch zu betrachten), aber selbst einem Troglodyten dürfte es komisch vorkommen die amerikanischen Kinokartenpreise und deren Inflation auf das weltweite Einspielergebnis hochzurechnen. Die Inflation in Usbekistan muss nicht unbedingt dieselbe sein wie in den USA, weshalb solche Inflationsvergleiche international grundsätzlich unsinnig sind.Zunächst muss man die Inflation berücksichtigen. Eine normale Kinokarte in den USA kostete zu "Titanic"-Zeiten viereinhalb Dollar, jetzt sind es gut sieben. Der Preis ist um 50 Prozent gestiegen. Dementsprechend müsste "Avatar" die "Titanic"-Einnahmen um 50 Prozent übertreffen: Die Latte liegt also nicht bei 1,8, sondern bei 2,7 Milliarden Dollar.
Die erfolgreichsten Filme in den USA nach den reinen verkauften Ticketzahlen finden sich hier:
http://www.boxofficemojo.com/alltime/adjusted.htm
Selbst diese Liste ist aufgrund vieler verschiedener Faktoren nicht besonders aussagekräftig um den Erfolg eines Films zu betrachten:
- Viele alte Filme wie "Snow white" oder "Gone with the wind" haben einen erheblichen Teil ihres Einspielergebnisses erst durch viele Jahrzehnte an Re-releases gemacht
- Wer weiß also wie die Einspielergebnisse von Avatar im Jahr 2080 aussehen werden?
- Re-releases spielen bei heutigen Filmen eine viel geringere Rolle, da viele Filme mittlerweile einfach noch mal im Heimkino auf DVD oder Bluray genossen werden
- In den 30ern als Gone with the wind lief gab es keine Konkurrenz durch Fernseher, Videotheken oder Kauf DVDs, wer so einen Film sehen wollte musste zwangsläufig ins Kino
- De facto muss man bei den Einnahmen eines heutigen Films dessen DVD- und Bluray Umsatz mit einbeziehen in das Einspielergebnis, und dieser Umsatz ist oft deutlich höher als der am box office
- Die Kosten ein Kino zu betreiben dürften vor 70 Jahren wesentlich geringer gewesen sein als bei dem Technikbombast eines heutigen 3D Kinos, weshalb ein Neuberechnung der Kartenpreise über die bloße Inflation auch unsinnig ist, Heute setzt sich der Preis einer Kinokarte aus ganz anderen Fixkosten zusammen
Aus meiner Sicht ist eine vernünftige Vergleichbarkeit der Filmerfolge (in den USA) allenfalls innerhalb der letzten 10 Jahre gegeben, denn vor 10 Jahren kam die DVD auf, und das Heimkino wurde eine ernsthafte Konkurrenz zum Kinobesuch. Innerhalb dieses Zeitraums liegt kein einziger Film vor Avatar, und selbst wenn wir auch die 90er noch mit einbeziehen, also zwanzig Jahre zurückgehen, sind nur Jurassic Park, Episode I und Titanic erfolgreicher gewesen, wobei alle diese drei Filme schon Re-Releases hatten, und Avatar sowohl Episode I als auch Jurassic Park in einer Woche überholen wird.
Dabei sollte man auch berücksichtigen dass Avatar nicht wegen, sondern trotz seiner sehr hohen Ticketpreise so viel Geld eingespielt hat. Die Hemmschwelle das Doppelte für eine Kinokarte zu bezahlen dürfte entsprechend hoch sein, besonders bei denjenigen die mehr als einmal in so einen Film reingehen.
Ich war gestern noch mal in einer Nachmittagsvorstellung drin, und das Kino mit 400 Plätzen war gut zur Hälfte voll. So eine Auslastung schaffen die meisten Filme nicht mal in der ersten Woche, und ich kann mich an keinen Film erinnern der nach eineinhalb Monaten noch so viele Zuschauer angezogen hätte.
"Gemauschelt" ist an diesem Erfolg nichts, darauf könnte auch der WELT-Redakteur kommen, wenn er seinen Beruf Ernst nehmen und ein wenig überlegen würde, bevor er zur Tastatur greift.






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Es ist dieses Verhalten des zwanghaften Schlechtredens welches einfach köstlich ist, nicht nur bei Avatar, auch bei Filmen wie dem neuen Star Trek, dem Reboot von Bond etc., wo auch immer der Untergang des Abendlandes vorausgesagt wurde. 
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