Oh, versteh mich nicht falsch - ich finde Egoismus dieser Art nicht nur im Fiktiven, sondern auch in der Realität ganz und gar zum Kotzen. Daß er eine dominante Geistehaltung unserer Zeit ist, macht die Sache wirklich nicht besser. Ja, ich bin mir sogar ziemlich sicher, daß meine starke Abneigung dieser Haltung einer der Mitauslöser meiner starken negativen Reaktion auf das Ende von LoM ist. Das Ende versinnbildlicht eine der abstoßendsten Tendenzen des modernen Menschen. Nach-mir-die-Sintflut, scheiß-auf-den-Rest-der-Welt, mach-mich-glücklich-jetzt-sofort! Ich bin das Zentrum der Welt! Ich habe ein *Recht* darauf, glücklich zu sein! Wenn die Welt mich nicht würdigt, ist sie schlecht!!!
*geht kotzen*
Okay, jetzt geht's wieder.
Wodurch ist es denn motiviert? Zeig mir Sams tiefes Leiden an der Welt des Jahres 2006, das einen Selbstmord glaubwürdig macht. Wo genau sehen wir das? Welche Szene macht uns deutlich, daß es für Sam unmöglich ist, sein Leben zum Besseren zu ändern?das Ende ist ausreichend genug motiviert, es ist glaubhaft.
Also, verstehe ich das jetzt richtig? Vom Dach springen ist eine konstruktive Veränderung, ein positiver Schritt, ein Versuch, sein Leben in die Hand zu nehmen und *endlich mal wirklich zu leben*?Ja, ich kann mit dem Ende durchaus leben. In den letzten Minuten geht es ja doch auch um den Aspekt des Lebendig-Seins - "every morning I told me that I am alive" - und wie Nelson das im Pub ausdrückt muss man das Leben mit jeder Faser spüren anstatt sich einzureden dass man lebt. Die Flucht in eine Scheinwelt, wie Sam sie am Ende vollführt, könnte auch bedeuten, dass wir vielleicht mal uns selbst mal die Frage stellen sollten oder könnten ob das, was wir hier und jetzt machen uns wirklich Lebendig-Sein lässt - oder ob es nicht was anderes sein könnte. Eine Veränderung, "Changes" ebend.
Nope, sorry, das paßt hinten und vorne nicht.
Und die wären?Ob Sam das moralische Monster ist - er hat seine Gründe.
Ich finde schon, daß man die verstehen muß - sonst kann man das Ende doch nicht verstehen. Schau mich an: Ich verstehe die Gründe nicht, und ich verstehe das Ende nicht. Das ist doch sehr frustrierend. Sollten die Autoren uns nicht deutlich machen, was in ihrem Protagonisten vor sich geht? Er war immerhin 16 Folgen lang das Zentrum der Serie.Man muss die nicht verstehen,
Inwiefern? Das Ende postuliert, daß für Sam Veränderung unmöglich ist. Bis dahin jedoch schien es immer darum zu gehen, daß man sein Leben in die Hand nehmen muß ("You have to make the best of it." - Nelson), die Welt verändern ("I'm never going to stop fighting." - Sam), sich überall ein Zuhause schaffen kann bzw. sich sein Zuhause *immer* selbst schaffen *muß* ("Whatever strange place you find yourself in, make that your home." - Sam), Beziehungen zu den Menschen um einen herum zulassen muß ("You have to believe in the people around you." - Annie). Gelten all diese guten Ratschläge nur für das fiktive 1973? Mir kamen sie bis dahin eigentlich wie universelle Tatsachen vor.man kann sie kritisieren - aber sie runden die Serie dann doch ab.
Da wird nichts abgerundet; im Gegenteil: Das Ende stellt einen klaren Bruch in der inneren Logik der Geschichte dar.
Noch eine Klarstellung. Ich habe kein Problem mit Happy Endings. Ich habe auch kein Problem mit unglücklichen Enden. Ich habe Lieblingsfilme, -serien und -bücher, die glücklich und solche, die unglücklich enden. So lange ein Ende zu der zuvor erzählten Geschichte paßt, also stimmig ist, kann ich es gut finden. Das Ende von Life on Mars allerdings widerspricht der bis dahin dominierenden Aussage der Serie und, was noch schlimmer ist, der Charakterisierung der Hauptfigur bis dato. Nichts paßt zusammen.schon mal darüber nachgedacht dass Happy-Ends eigentlich per se unwirklich und unreal sind weil es sie im wirklichen Leben nie als Abschluss so gibt?,
Und, nebenbei bemerkt: Wieso Happy Ending? Wo ist da das Happy Ending? Geisteskranker spring vom Dach, weil er mit der Realität nicht klar kommt und glaubt, daß er seine imaginären Freunde retten muß - ist das ein Happy Ending? Wie gesagt, ich hab nichts gegen Happy Endings. Nur, daß das keines ist. Aber trotzdem als solches verkleidet wird, mit Regenbogen und Küssen und so weiter.
Hmm, vielleicht sollte ich mal mein 'no rainbows'-Icon hier benutzen... *g*
Addendum @mort: Du hast mein Mitgefühl - und meinen Respekt. Insbesondere dafür, daß Du *nicht* von irgendeinem Dach gesprungen bist. Aber siehst Du, da liegt genau das Problem: Ich glaube nicht an Sams Leiden. Das bißchen gepflegte blaugetönte Langeweile, das wir aus seinem realen Leben zu sehen bekommen, ist nicht genug, um jene bodenlose Verzweiflung zu erklären, die nötig wäre, um von einem Dach zu springen.






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